Onitor



www.onitor.de

Woher kommt der Namen des Labels? Gibt es eine spezielle Bedeutung? Ist der Name ein Wortspiel? Ausdruck der Labelphilosophie, oder rein zufällig entstanden?

Das ist natürlich philosophisch gemeint :-)
Der Erstentwurf war Monitor - das M strichen wir dann wegen des gleichnamigen Politmagazins. Ursprünglich war aber zwischen oni und tor noch ein Punkt, das sollte irgendwie so eine Fußballstimmung in das Label reinbringen. Hat aber keiner kapiert.

Wann, und von wem, wurde das Label gegründet?

1999 in Stuttgart, gegründet von Jörg Koch, Thomas Venker, Markus Koch und für den ersten Release noch Niko Lazszaradsolplous und Jokel Henn. Seit 2002 wird's betrieben von Jörg Koch und Thomas Venker

Was war der Antrieb bzw. Hintergrund ein Label zu gründen? Begann alles aus Spaß, oder schon als ausgewachsene Geschäftsidee?

Spass. 99 brauchte man noch nicht für jeden Quatsch einen Businessplan. Wir hatten diese tollen Releases von Solovyev (Jörg Koch) und Ma cherie for painting rumliegen und wollten Stuttgart nebenbei mal auf die musikalische Landkarte bringen.

Gibt es weitere Sublabel? Wann und warum kamen diese dazu?

Nein, lediglich Reihen wie früher eine Split-Artist-Serie und derzeit die  Stadtmusik-Compilations.



Wie kann man das Label, oder die Sublabel stilistisch einordnen? Gibt es klare musikalische Grenzen? Wo möchtet ihr am liebsten eingeordnet werden?

Wichtig ist: Albumkünstler sollen präsentiert werden bzw. Artists, die prinzipiell in der Lage sind, auch in Albumlänge zu denken, Maxis flankieren das nur. Stilistisch sind wir relativ offen, entscheidend ist in erster Linie unser Geschmack, und der ist weiter gefächert als etwa nur durch einen ganz speziellen Bassdrumsound bestimmt. Kurzum: Von Pop-Ambient über Experimental-Elektronik hin zu straightem Clubsound findet sich alles auf onitor.

Welche Medien veröffentlicht ihr? MP3, CD, Vinyl... Werdet ihr zukünftig Zusätzliche anbieten? Gibt es für euch auch “uninteressante“ Medien?

CDs, Vinyl, mp3 (nicht exklusiv), geplant sind Kleider und DVDs

Habt ihr einen eigenen Shop bzw. Webshop? Wie wichtig ist ein eigener Shop?

Nein. Wir verlinken zu unseren Vertrieben Hausmusik und Kompakt.
 
Welche Länder werden von euch beliefert? Nutzt ihr einen Vertrieb, oder werden eure
Produkte im Eigenvertrieb ausgeliefert?


Weltweit, Vertrieb Kompakt (vinyl) Hausmusik (CD) und in ausgewählten Ländern lokale Distributoren

Wie werdet ihr auf neue Künstler aufmerksam?

Demos & persönliche Kontakte. Die ganzen Kanadier auf dem Label haben wir beim Mutek-Festival kennengelernt.

Ist es sinnvoller für ein Label, möglichst viele Künstler zu signen, oder ist “weniger - mehr”? Kann ein Label durch “je mehr - je größer” einen höheren Stellenwert bekommen?

Aus meiner Sicht als Konsument erscheint eh zu viel, vor allem zu viel Fades. Es ist ein Drama, dass ich das Gießkannenprinzip der Großen ("einer von 30 Releasen wird schon ankommen", " wenns einmal gut lief dann hauen wir gleich 10 Sequels raus") auch im Independentsektor häufig durchsetzt. "Weniger" ist künstlerisch gesehen u.E. mehr. Aus komerzieller Sicht scheint "mehr" das erfolgreichere Modell.



Gibt es eine Demo Policy? Wer checkt die Demos und entscheidet welche Künstler eingeladen werden?

Beide gleichberechtigt. Es gibt nur zu viel fades Zeug. Wichtig ist uns dabei ein persönliches Anschreiben, das zeigt, dass die Leute das Label kennen und schätzen.

Wieviel Releases habt ihr durchschnittlich im Jahr?  Wie lange werden diese zuvor geplant?

Das pendelt zwischen 7 und 14 pro Jahr. Vorlaufzeiten sind sehr unterschiedlich, unter einem halben Jahr ist aber kaum was zu machen - was an Vertrieben und Presse liegt.

Gibt es eine Verbindung zur "Heimatstadt" des Labels? Denkst du das Label würde seine Identität verlieren wenn es in eine andere Stadt ziehen würde?

Ja. Onitor wurde gegündet, um auch lokale Künstler zu präsentieren, allerdings nicht ausschließlich. Aber die Welt ist ein Dorf und wo das Label nun steht,  ist eher aus privaten Gründen bestimmt als wegen des Labels.

Welchen eurer Releases würdest Du als den Erfolgreichsten bezeichnen?

Immer den nächsten! Defacto waren es bislang das Crackhaus Album und die Gringo Grinder Releases.
 
Neben den Verkaufszahlen welcher Release ist dein persönlicher Favorit?

Einen gibt es nicht. Aber ganz oben stehen bei mir Kilo, Takashi Wada, Guitar, you dee, crackhaus und malte tinnus

Niemand spricht gerne über Misserfolge, trotzdem, wie viel muss Zeit vergehen bis man einen Release definitiv als Flop bezeichnen kann? Gab es schon den Fall, dass sich ein Release erst gar nicht verkauft hat so dass man ihn als Flop abgeschrieben hat und plötzlich verkaufte er sich durch Zufall wie “geschnitten Brot“?  

Man weiss es nach der ersten Woche nach release. Zufälle gibt es nur selten
 
Dein Gefühl: Würdest du sagen es ist für Label schwieriger geworden durch p2p, mp3...?

Es ist schwieriger geworden weil die Leute kein Geld mehr haben und die die welches haben, geben es wahrscheinlich für andere Dinge aus (große Autos, teuren Rotwein, exklusives Essen und Drogen).



Welche Medien nutz ihr für die Promotion? Wie wählt ihr eure Medienpartner aus? Im Allgemeinen, wie wichtig sind die Medien heute für die elektronische Musik? Was ärgert dich am meisten wenn du mit den Medien arbeitest? Eine schlechte Review, keine Rückmeldung...

Wir haben eine recht große Radio- und Printpromo. Arbeiten hierfür mit der Promoagentur Stars & Heroes zusammen.

Musik ist ein Geschäft wie jedes andere. Wie wichtig sind im Umgang mit Künstlern, Promotern und Vertrieben die Freundschaft und das Vertauen? Trennst du diese Dinge im Geschäftsleben?

Bei onitor steht sie persönliche / freundschaftliche Bindung zu den Künstlern sehr weit vorne, kommt an zweiter Stelle nach der Qualität der Musik. Zusammenarbeit mit Leuten mit denen kein persönliches Verhältnis möglich wird, ist nicht in unserem Interesse

Dein ganzer Tag, dreht sich vermutlich um das Geschäft mit "Musikmedien" Gehst du trotz allem noch in einen Plattenladen um Musik zu kaufen?

Nein. Dazu hab ich kein Geld. Und der andere von uns arbeitet bei einem großen Musikmagazin und kriegt eh alles umsonst.



www.onitor.de
Interview Michael Mück/Spring 2006

All rights reserved Cuemix-Magazine