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Johannes Heil - March 2006 - German VersionCM>>>Auf „Freaks R us“ haben alle Tracks nahezu eine Dauer von 7 Minuten. Zufall oder Absicht? Johannes Heil>>>Ganz klar, siebtes Album! Die Sieben war auch der unterschwellige Aufhänger, eigentlich sollten alle Tracks genau sieben Minuten haben, dies ließ technisch nicht ganz machen, also war der Kompromiss tendenziell die Sieben erkennen zu lassen. Die Sieben hat aber auch in Bezug auf die Musik eine große Bedeutung, weil Dur- und Moll- Akkorde insgesamt aus sieben Halbtönen bestehen, im Verhältnis 4 zu 3 oder 3 zu 4. Sieben ist eben auch die Zahl der Harmonie, der Liebe. Für viele ist die Sieben auch eine absolute Glückszahl, es gibt sehr viele Analogien die mit der Sieben zu tun haben: sieben Weltwunder, ....und, und, und. Ich hab da mal so eine Liste geführt, und auf Anhieb etwa zwanzig Übereinstimmungen gefunden, ohne groß danach zu suchen. CM>>>Musstest du dich beim schreiben und produzieren nicht auch unheimlich anstrengen um dieser selbst auferlegten sieben Minuten Grenze, oder besser dieser Zeichensprache genüge zu leisten? Versteh mich nicht falsch, musstest du schneiden oder strecken? Johannes Heil>>>Es ist bei zwei Tracks genau so raus gekommen, bei Anderen habe ich diese sieben Minuten einfach bis zum Ende offen gelassen. Ich hab mir dann gesagt: “Ok, wenn ich das Arrangement, das Finish und den Cut mache, lege ich da den Wert von sieben Minuten noch drauf“. Aber in diesem Sinne, ist mal gekürzt und auch gestreckt worden. Wobei es zuvor keine feste Zeit gab. Zwei Tracks „The Magican and the Fool“ waren schon released, diese wurden dann später umeditiert. Aber letztendlich bis zu dem Punkt an dem ich gesagt habe, jetzt ist es geboren, die Schöpfung unbesiegt, sozusagen. (lacht) CM>>>Weiterhin ist mir aufgefallen, dass der Neunte Track „The Last“ und der Zehnte „The First“ ist, das Album eröffnet aber dann mit dem Titeltrack? Totale Verwirrung... Johannes Heil>>>(lacht) Unsere Überlegung war, hätten wir „The First“ als erstes genommen, hätten wir den Song zu einem Intro degradiert. Das Lied ist viel zu schön und zu eigenständig, und außerdem “Für ein Intro zu lang und zu schade.“ Dann gab es in der Diskussion auch den Satz “Die Ersten werden die Letzten sein und die Letzten werden die Ersten sein“ und dann dachte ich mir “Ok, dann kann man den Ersten auf den Letzten setzen. Da beginnt es dann quasi neu, das Abklingen des Albums ist dann so, eine Überleitung in etwas Neuem. In dem Fall, ist es die Überleitung zurück in die Realität. Die CD ist vorbei, du hast Clubtracks, die ganzen Momente erlebt, um am Ende noch einmal Revue passieren zu lassen. Diese Gefühle erzeugt es zumindest bei mir, wenn ich mir dieses Lied anhöre, kann ich aus dem Fenster schauen und über vergangene Zeiten leicht wehmütig in Erinnerungen schwelgen. Das steckt dahinter. CM>>>Die am schwierigsten zu formulierende Frage für mich ist: Ich krieg manches bei Dir nicht übereinander, die Musik ist zum großen Teil “Club“... Johannes Heil>>> Ja.. CM>>>.....wie bekommt man in Club- und Dancetracks so viel Tiefe und Gefühle? Trotzdem ist es nun mal Club! Johannes Heil>>>Mein Anspruch ist es, mir selbst gerecht zu werden, was erst einmal sehr schwierig ist. Ich bin schon sehr wählerisch bei der Auswahl der Klänge, der Rhythmen und der Melodien. Ich habe ich schon sehr vieles gemacht, habe mir dadurch auch schon vieles bewiesen. Ich versuche mich selbst zu überraschen, das ist natürlich auch ein Grund, viel zu experimentieren. Dabei geschehen Dinge die ich so nicht hindrehen würde. Bei der Vielschichtigkeit und der Tiefe, würde ich sagen „das bin ich,“ ganz klar. Clubmusik ist das was ich mache, und diese Tiefe ist was ich bin. Also verbinde ich dieses was ich bin, mit dem was ich tue, und das ist dann das Ergebnis. Zufrieden bin ich damit, wenn das für mich eine eigene Lebendigkeit in sich selbst hat, eine Vielschichtigkeit existiert, die so miteinander wirkt, das ich das dann nicht mehr nachvollziehen kann, das lebt dann vor sich hin, für sich selbst. Das ist mir auch so am wichtigsten (schweigt). Es muss mir etwas sagen. Ich muss das Gefühl haben das spricht mit mir, wenn es mit mir spricht, hat es die Chance in meiner Sprache auch mit Anderen zu sprechen. CM>>>Eine deiner Veröffentlichungen hieß „Feiern,“ bist du ein Clubmensch, Partyanimal...whatever? Johannes Heil>>>(lacht) Ich bin über das Feiern zur Musik gekommen, oder sagen wir mal zeitgleich. Ich würde schon sagen, dass ich ein ziemliches Partytier gewesen bin, und auch sehr exzessiv. Dadurch, dass ich fast jedes Wochenende Gigs spiele, viel im Studio bin, genieße ich jetzt auch die ruhigeren Momente und leg es nicht immer auf „die exzessiven Feste „ (lacht) an. Da ist vielleicht mit ein paar Freunden ein Bier trinken. Aber die Zeremonie des Ausrastens ist mir total wichtig, und möchte das auch als eine Priorität in meinem Leben bezeichnen. Es stellt sich mir nicht die Frage was die Musik erreichen soll, im Gedanken bin ich immer auf der Tanzfläche und versuche mich da mit einzubringen, wie pass ich in das ganze Bild. Wenn ich auf Raves gespielt habe, hatte ich viele Momente wo ich mich fragte “Wie passe ich hier eigentlich rein? Wo ist die Schnittmenge? Die Kompatibilität?“ Ich bin auch oft verwundert, dass sich die einzelnen Stücke sehr voneinander unterscheiden. Aber eingefleischte Fans beschreiben mir meine Musik als etwas emotionaler und als etwas eigenes. Ich kenne viele Leute die mögen gar kein Techno, aber die Clubmusik unbedingt. Die reisen innerhalb Spaniens 300-500 km um meine Musik zu hören und sagen mir dann “Wir mögen kein Techno, wir mögen nur Johannes Heil.“ Das ist für mich ein großes Zugeständnis, dass ist mehr als nur ein Beat der zusammen gesteckt ist, das hat Identität, ein eigenes Gesicht. CM>>>Du benutzt deinen Familiennamen keinen Künstlernamen? Johannes Heil>>>Ja, da hat mich damals eigentlich, so blöd es auch klingen mag, die Bibel unterstützt. Für meine erste Soloplatte wollte ich einen schlagkräftigen Namen haben. So kam ich auf “Die Offenbarung.“ Johannes Heil - Die Offenbarung ... Johannes und dann Heilsverkündung... das überzeugte mich. Und “Heil“ ist ja nicht kaputt, nur weil man irgendwann dieses Wort missbraucht hat, heißt es ja nicht, dass es jetzt was ganz anderes bedeutet. Heil heißt erst einmal “Gesund.“ Es hat sich für mich auch nie die Frage gestellt ob Künstlername oder nicht, wobei ich meinen Namen nie so toll fand. Wenn man Johannes heißt, ist man eher ein Exot, ich kannte niemanden sonst der so hieß. Aber ein Künstlername? Keine Ahnung wie ich mich hätte nennen sollen.Ich hatte zwar später gelegentlich Pseudonyme, hab aber dann auch festgestellt, dass das erschaffen eines Pseudonyms Feigheit ist. Man würde ja nicht auf die Idee kommen sich ein Pseudonym auszudenken wenn man kein Bild von sich hätte, oder nicht das Gefühl hätte es gäbe ein Bild von einem. Dem wird man nicht gerecht, und darum muss man keinen anderen Namen haben. Was bringt es auch? Am Ende hast du zehn Pseudonyme und alles wird wieder unter Johannes Heil zusammengefasst. CM>>>Ist das hier die Gegend in der du auch aufgewachsen bist? Johannes Heil>>>Ja ich bin unweit von hier geboren und in diesem Haus auch aufgewachsen. CM>>>Eher bodenständig? Johannes Heil>>>Ja schon, ich wollte auch nicht wegziehen, nach Frankfurt oder Berlin. Berlin war auch nie so meine Lieblingsstadt. Mein Bruder lebt seit knapp fünfzehn Jahren in Berlin und ich habe ihn dort schon oft besucht, will also sagen, dass Berlin mir nicht fremd ist. Mir gefällt es, dass viele Kulturen aufeinander treffen, das Kultur- und Kunstangebot, aber dieses Stadtleben ist nicht so mein Fall. Frankfurt zieht mich auch nicht so an, wenn überhaupt so ein Stadtleben, dann Hamburg oder Bremen, den Norden mag ich sehr gern. Viele sagen ja der Norden wäre unterkühlt, hab ich aber so noch nie feststellen können. Ich hab auch nie gedacht, dass ich wegen der Karriere in einen Stadt ziehen müsste. Es hat sich ja schon seit ein paar Jahren bewahrheitet, dass man auch aus dieser Region hier einiges erreichen kann. Gut damals war das eine größere Community, es waren viele Freunde, es haben sich Energien hochgeschaukelt und sich künstlerisch beeinflusst und befruchtet. Es gab halt nie das Gefühl allein auf weiter Flur zu sein. Das hat sich natürlich jetzt schon geändert, jetzt bin ich hier in der Gegend ziemlich alleine. Es ist schwieriger, aber auch eine große Herausforderung weil die Kraft aus mir selbst heraus entstehen muss. Aber was das bodenständige angeht, ich mag das Nachtleben aber so Sachen wie V.I.P Area, Bändchen und all das finde ich ziemlich öde, ja es ist eher schon Verblendung... (Pause) Nachtleben find ich schon toll aber ich bin nicht so ein Glamourtyp (lacht). Musik ist mir wichtig, ich möchte so lange wie möglich und so gesund wie möglich, einfach weitermachen. Eine Stadt wäre für mich vielleicht auch ungesund. CM>>> Topicjumping, hier stehen sehr viele klassische elektronische Instrumente herum...Sind das Instrumente mit denen du auch damals angefangen hast? Und hier die 909 ist die immer noch ein Hauptbestandteil deiner Produktion? Johannes Heil>>>Ja, hier zusammen mit dem ASR 10 Sampler, ne Novation Bassstation mein aller erster Synthesizer. Die 909 und der SH 101 kamen später dazu. Das waren die Instrumente die meinen Sound in den Anfangsstunden einfach ausgemacht haben. Ja was die 909 angeht, nach fünf, sechs Jahren wurde ich dem Sound überdrüssig, bin auf die 808 umgestiegen. Arbeite aber heute mit selbst angefertigten Samplelibaries um auch mehr Spektrum an Klang zu haben. Früher stellte sich die Frage für mich nicht, aber irgendwann wollte ich einen neuen Sound. CM>>>Live arbeitest du mit einem Harddisk Rekorder, du legst nicht irgendwie als DJ auf? Johannes Heil>>> Ne ich spiele die Sachen mit Hardware. Anfang 1998 habe ich drei oder vier DJ Gigs gemacht, aber die Technik vor Ort war totaler Schrott. Das hat mich so genervt und habe mich dann entschieden immer meine eigenen Sachen mitzubringen. So ergab es sich für mich Live zu spielen, wollte dann davon auch nicht mehr ablassen weil es mir den direkteren Kontakt zwischen der Rohform der Musik und dem Publikum gegeben hat. Diese Herangehensweise hilft mir auch bei der Entscheidung wie ich im Studio produziere. CM>>>Wie sieht die Livepräsentation rein technisch aus? Johannes Heil>>> Rein technisch habe ich die 909 immer noch dabei, das Harddisk Recording von Roland, einen Sequencer, den Virus C auch wegen seiner wunderschönen Sounds und seinen Einzelausgängen, dann habe ich von Clavia den Nord Modular dabei, das Korg Kaoss Pad. Im Augenblick möchte ich auf die MPC 4000 umsteigen, habe aber immer noch ein paar Berührungsängste. Muss ich ganz ehrlich sagen, weil die Architektur wieder ganz anders ist als bei der MPC 2000. Aber mein Equipment ist sowieso in einem ständigen Wandel. CM>>>Laptop und z.B. Ableton sind keine Option? Johannes Heil>>>Ich würde einen Computer mitnehmen, wenn kein Bildschirm dran wäre. CM>>>Wie bitte? Johannes Heil>>>Ja, weil der Bildschirm lädt ein, nein, er fordert es einem ab da rein zu schauen. Und es gefällt mir nicht das da ein Bildschirm zwischen dem Publikum und mir steht. Außerdem wäre die Versuchung groß an einem Tag, an dem ich mich vielleicht nicht ganz so toll fühle, es mir vielleicht sogar lieber wäre jetzt gerade nicht da zu sein, oder das Gefühl hat nicht ganz so Gesellschaftstauglich zu sein, sich hinter diesem Monitor zu verstecken. Viele Live Acts verstecken sich hinter ihrem Monitor! (lacht) CM>>>Ist denn dein Live Equipment auch ein logistisches Problem? Johannes Heil>>>Nein, mein Equipment ist sehr kompakt gehalten und ich reise immer zu den Gigs mit meiner Verlobten gemeinsam, immer! Ich bin nie alleine unterwegs. Ja, und so verteilen wir das Gepäck auf uns Beide, und das passt dann haargenau. Manchmal wenn jemand nicht ganz so kulant ist, müssen wir etwas Übergepäck zahlen. Aber Dank Lufthansa, die man ruhig auch einmal loben kann, ist sehr viel Kulanz am Start und acht bis zehn Kilo Übergepäck werden schon mal toleriert. CM>>> Gut Standardfrage! Das neue Album erscheint in ein paar Wochen, wirst Du dann verstärkt unterwegs sein? Johannes Heil>>>Ja, die Tour für „Freaks R us“ beginnt im März, am 17. März ist Auftakt im Cocoon Club in Frankfurt und dann geht es in schönen strammen Schritten weiter. Ich denke jedes Wochenende zweimal, so vier bis fünf Monate, vielleicht auch sechs. Hängt natürlich auch davon ab. was im Rahmen des Releases passiert. CM>>> Ist das Live spielen für dich Essentiell, oder könntest du dir ein Leben auch nur als Produzent vorstellen? Johannes Heil>>>Huh, das hat viele Aspekte. Erstmal das Tiefstehrlichste was ich dazu sagen kann ist, das es mir finanziell unmöglich wäre nur von der Musikproduktion zu leben. Wir beide kennen den Musikmarkt, wir wissen was mit der elektronischen Musik los ist, auch was in Sachen MP3 passiert, da gibt es keine Möglichkeit nur davon zu leben. Das wäre das eine, auf der anderen Seite würde ich den Bezug zum Club, dadurch das ich auch nicht als DJ arbeite, total verlieren. Mir ist es wichtig den Bezug zu haben, auch über die Jahre immer wieder bekannte Gesichter zu treffen, das freut mich dann auch. Ich weiß dann, das ein Bezug da ist der sich über mehrere Jahre aufgebaut hat. Vor dem Auftritt bin ich fast immer sehr, sehr angespannt, so wie das Gefühl ein Baby kommt auf die Welt und es sagt “Steck mich wieder rein!“(lachend). Danach ist es wieder die totale Befreiung, speziell wenn es sehr gut gelaufen ist, logisch, aber auch wenn mal was schief geht denke ich mir, das ja nicht jeden Tag die Sonne scheinen kann. CM>>>Gut, die absolute Standardfrage aber wirklich aus Neugier. Wie bist du zum Techno oder elektronischen Musik gekommen? Kam erst der Musiker dann die Musikrichtung? Johannes Heil>>>(lacht) Ganz lapidar, ich würde das Ganze als einen riesigen Zufall bezeichnen. Vor elf Jahren saß ich mit Freunden hier in diesem Hüttchen, da drüben haben wir gesessen und Bier getrunken. Zu der Zeit haben wir Metallica, Public Enemy mit Anthrax, Faith no More gehört. Irgendwann in der Nacht ging uns der Alkoholvorrat aus und so beschlossen wir zu einer Party hier im Ort zu gehen. Eine Technoparty, wir hatten überhaupt keine Ahnung was da läuft, ich dachte eher so an Sachen wie das Boot von U96 oder so. Auf jeden Fall haben wir dann so etwa morgens um vier festgestellt “Aha, hier sind morgens immer noch Leute, hier ist ne Menge gute Laune, hübsche Mädchen, die Musik lädt ein durch zu ticken“ kein Aggressionspotential wie auf anderen Partys, einfach optimal. Zwei Wochen später war ich in Bad Nauenheim um mit zwei Freunden Pizza zu essen, und haben dann festgestellt, dass unter der Pizzeria ein Bistro aufgemacht hatte das sich Kanzleramt nannte. Technomusik die ganze Woche durch, also sind wir in denn Laden rein und stellte fest “Aha, da ist ein DJ!“ und das in einem Bistro für maximal zwanzig Leute. Es war alles sehr dunkel gehalten, wie man es gar nicht zuvor kannte, viele Airbrushs an den Wänden, Grableuchten ... total spacig. Die Dekoration war einfach mit sehr viel Liebe gemacht! Ja und so etwas ein paar Kilometer weiter, großartig! So entwickelte sich peu a peu immer mehr Interesse, hab Sven Väth’s Clubnight gehört, Pascal FEOS, der ursprünglich auch aus Bad Nauheim kommt. Ich bin dann fast täglich in das Kanzleramt, Heiko Laux hat mir dann Platten auflegen beigebracht, eine große Freundschaft ist gewachsen. Man lernte immer mehr Leute kennen und es bildeten sich Freundschaften. Man kann es fast schon als Technoverein bezeichnen. CM>>>Aber du warst zuvor kein Musiker? Johannes Heil>>> Nein, gar nicht. Meine Berührungspunkte mit dem Musik machen war nur der Musikunterricht in der Schule, und da will ich mich bei meinem Musiklehrer auch noch einmal ganz herzlich bedanken: Es war Scheiße! Hatte eher etwas mit Mathematik und Lehrdruck zu tun. Also gar nicht mit Emotionen. Wir wurden nie nach unseren Interessen oder Empfindungen gefragt, so gab es zu der Zeit auch gar keinen Bezug Musik zu machen. „Musik machen wollen“ kam erst durch Heiko Laux kleines aber feines Studio das er damals hatte. Als ich dann an den Synthesizern rumspielte, hab ich sehr schnell Blut geleckt und ich merkte dann, „das Musik machen“ für mich interessanter ist, als einfach nur Platten auf zulegen. Von meinem ersten verdienten Geld habe ich dann angefangen Instrumente zu kaufen.... und alles Autodidakt. CM>>>Noch mal zurück zu „Freaks R Us“, wer ist ein Freak? Wen bezeichnest du damit? Johannes Heil>>>Für mich findet das Freak-sein im Herzen statt, mein Vater kann für mich genau so ein Freak sein wie jemand der im Club tanzt. Ich denke die beste Grundvoraussetzung um ein Freak zu sein, ist “nicht unbedingt mit dem Strom schwimmen wollen.“ Die Aussage “Freaks R us“ bedeutet für mich einfach auf dem gleichen Level sein, Mensch sein und gut im Herzen sein. Freak denke ich ist ein Wort das erstmals bei der Hippie-Bewegung aufgekommen ist, und ich denke das erklärt es auch am besten: Neuzeit Hippies, spleenige Menschen mit dem Herzen an der richtigen Stelle. CM>>>Sollte das Album von Anfang an so heißen? Johannes Heil>>>Ursprünglich hatten wir eine andere Idee. Ich wollte das ganze Album auf einer sehr Zahlenmystischen Ebene transportieren. Erst sollte es Sieben-Sieben-Sieben heißen. Diese Zahl war mir aber dann doch zu hoch gegriffen, da diese Zahl letztendlich die Zahl der Schöpfung ist, und für so groß halte ich mich dann doch nicht. Auf der anderen Seite ist es mir auch wichtig eine Zugänglichkeit zu haben, mir bringt es nichts, ein total verkopftes, wenn auch in sich schlüssiges Werk zusammen zu stellen, welches dann niemand entschlüsseln kann. Am Anfang ging das Alles in so eine Richtung, aber dann kam dann der Tag an dem ich mir sagte „Das will ich so gar nicht“ ich will Zugang, und das Menschen Zugang zu mir haben. Also warum dann eine Rechenaufgabe hinlegen? Die vielleicht kaum zu lösen ist um dann heraus zu finden, dass das einzige was ich Ihnen sagen will ist, das ich wie Sie bin und das ich Menschen liebe. Und dann ist dieses “Freaks R Us“ entstanden... ich bin wie du. CM>>>Das Album ist ja schon als Promo unterwegs, hast du schon ein Feedback bekommen? Johannes Heil>>>Ja, was mich besonders freut ist das ich ein sehr positives Feedback von Laurent Garnier bekommen habe, das macht mich natürlich auch stolz, weil Laurent einen super Musikgeschmack hat, Dj Chloe, Miss Kittin... alles sehr positiv. Aber am meisten hat mich Laurent gefreut, denn Laurent ist auch immer sehr bei der Sache und ich weiß, dass er diese Promo Sheets auch wirklich mit sehr viel Liebe ausfüllt. CM>>>Als wir uns vorhin unterhalten haben sagtest du, „wenn der Film abgedreht ist.“ Wenn du ein Album kreierst folgt es dann einem Konzept, sind es Geschichten oder Gefühle die du reflektierst, oder sind es einfach Tracks die zueinander finden? Oder ist es ein Abbild einer Zeit? Johannes Heil>>>Ich würde sagen ein Abbild einer Zeit, ich glaube auch aus der Sicht des Künstlers “das perfekte Werk.“ Da suchen wir doch alle nach, das hat schon Afrika Bambata gesungen „everybodys looking, looking for he perfect beat“. Den gibt es nicht, man könnte es immer wieder versuchen im nach hinein zu ändern. CM>>>Versuchst Du dich mit jedem Album neu zu erfinden? Johannes Heil>>> Hm.. mich zu wiederholen ist eine Sache die mir widerstrebt, da wäre ich sehr unglücklich. Wenn es sich auch von der Ästhetik her ständig wiederholen würde. Aber um auf den Kern zu kommen, es kommt mir oft so vor das ich nicht die Musik mache, sondern die Musik mir die Möglichkeit gibt zu sagen „jetzt Stopp oder nicht Stopp.“ Es ist schon Freiheit vorhanden, aber natürlich bin ich auch nicht mehr frei von dem Wissen was ich als Musiker schon gemacht und erfahren habe. Also mich zu wiederholen das wäre das Schlimmste für mich, aber es gibt bestimmt auch einen Widererkennungseffekt. CM>>> Du sagtest du bist verlobt, folglich wird dann irgendwann mal geheiratet? Johannes Heil>>>Ja auf jeden Fall, wir wissen nur nicht wann das sein wird. Vielleicht auch eines Tages Kinder, nur wir legen uns nicht fest, im Augenblick!(lacht) CM>>>Was brauchst du für den perfekten Tag? Johannes Heil>>>Sonne! Ich brauch Sonne, ich leide zu dieser dunklen Jahreszeit. Ich bin abhängig von Sonnenlicht, ich brauche die Sonne um glücklich zu sein. Es ist großartig wenn sie morgens schon „Hallo“ sagt und in das Gesicht scheint. Das ist alles! www.ongaku.de Photos by stefan freund © ongaku Interview Michael Mück All rights reserved Cuemix-Magazine |
