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Alter Ego - December 2005 - German VersionCM>>>Ihr lebt beide immer noch in Darmstadt? Roman>>>Nein, wir leben mittlerweile in Frankfurt. Wir kommen beide ursprünglich aus Darmstadt und haben uns da auch kennen gelernt, leben aber jetzt schon seit Jahren in Frankfurt. CM>>> Und habt der Anziehungskraft von Berlin widerstanden? Jörn>>> Du meinst, das wir nicht nach Berlin gezogen sind? Tja ich hab es ein bisschen erlebt, weil meine Freundin, mit der ich jetzt seit fünf Jahren zusammen bin, in Berlin gelebt hat. Da war ich teilweise sehr, sehr oft in Berlin, und hab es auch sehr gemocht. Roman und ich hatten auch mal kurz überlegt nach Berlin zu ziehen, aber letzten Endes war es keine wirkliche Option. Hier mit Robert Johnson, Ongaku und dem Büro, mit Allem was man sich in fünfzehn Jahren aufgebaut hat. Du kennst das doch selber, so kleine Netzwerke die man sich erarbeitet hat und die man nicht aufgeben will. Auf der anderen Seite sind wir hier schon 25-30% von „Techno-Frankfurt, und wenn alle Leute dann nach Berlin abwandern, wäre das eine große Lücke. Perlon, Jan von den Farben und auch Ricardo Villalobos, der hier gewohnt hat, diese ganzen Leute sind ja nach Berlin abgewandert und wenn wir jetzt auch noch gehen würden dann wäre die Lücke hier noch größer. Auch die Nähe zu Neuton, dem Vertrieb, dem Flughafen, wir haben hier Alles. Gerade der Flughafen, wir waren dieses Jahr fast jedes Wochenende unterwegs, und es ist einfach toll wenn du nicht umsteigen musst. Von hier bist du in zwanzig Minuten am Flughafen und kannst sofort in die große weite Welt fliegen (lacht). Das sind die Gründe die auf der „Haben-Seite“ stehen. Außerdem ist meine Freundin jetzt auch nach Frankfurt gezogen, was für mich erst recht super ist. CM>>> Oft drängt sich eben der Verdacht auf, das Viele denken sie verpassen was, wenn sie nicht nach Berlin gehen. Roman>>> Natürlich kann der Input in Berlin deutlich höher sein, du hast halt wahnsinnig viele Möglichkeiten dir auch Bands anzuhören, die um Frankfurt mittlerweile leider Gottes eine großen Bogen machen. Die Batschkapp hat nicht mehr das Programm das sie früher hatte, das ist natürlich sehr bedauerlich. Auf der anderen Seite ist das Entscheidende wirklich unser Familienersatz, den wir hier haben. Man hätte dann wirklich das komplette Ding dann nach Berlin verschiffen müssen, mit allem drum und dran, mit Ata, mit Heiko, das war einfach nicht machbar. Wir haben uns dann gesagt, es ist nicht das Entscheidende in einer anderen Stadt zu sein, nur um der Stadt willen. Jörn>>> Wir haben ja diese Residency noch im Bergheim in der Panorama Bar. Roman>>> Ata spielt sowieso permanent in Berlin... Jörn>>> Er spielt im Weekend und in allen möglichen Läden. Wie gesagt, wir sind alle oft in Berlin. Seit dem Release des Transphormer Albums waren wir sowieso unentwegt in anderen Städten, somit sind wir manchmal auch froh ein bisschen kürzer zu treten. Roman>>> Wir haben das auch wirklich abgewogen, der Vorteil wäre für uns nicht so immens groß gewesen, schon gar nicht wenn man wirklich permanent im Ausland, oder sonst wo ist, und die Stadt eigentlich nur als Schlafplatz nutzt. CM>>> Ich möchte nicht wissen wie oft ihr zu dem Transphormer Album Rede und Antwort stehen musstet, aber trotzdem: ist der Titel des Albums so zu verstehen, dass die Einflüsse die in das Album mit eingegangen sind, sowie die Bandstruktur des Ganzen dahinter stehen? Roman>>> Auf jeden Fall, du bist einer der Wenigen die mal nach dem Titel des Albums fragen, die Meisten fragen uns nur nach „Rocker“... Jörn>>>(lacht) Roman>>> ..und Transphormer hat ja eigentlich darauf hin gedeutet, dass wir in der Zeit davor einen gewissen Prozess durchgemacht haben, und dass dieses Album der vorläufige Höhepunkt dieses Prozesses war. Jörn>>>> Der Sound hat sich geändert. Wir hatten zuvor eine Platte als Sensorama, die hieß Projektor, das war eine Platte bei der, der Titel mit der Musik im direkten Zusammenhang stand. Bei Transphormer war der Gedanke, wie du schon sagtest, der transphormiert eben was. CM>>> Transphormer als, „das Album auf das sich Alle einigen konnten“. Wie empfindet ihr diese Bezeichnung ein Konsensalbum geschaffen zu haben, war das letztendlich euer Ziel während der Produktion? Roman>>> Ich glaube das Ziel haben wir mit Sicherheit nicht gehabt als wir das Album produziert haben. Aber als das Album dann mit so einer starken Single wie „Rocker“ erschienen ist, hat es wirklich von allen Seiten eine Menge Beachtung gefunden. Dann muss man sagen, es hat sich tatsächlich, in dem Jahr als es rauskam, zu einer Art „Technokonsensalbum“ entwickelt. Das hat uns gar nicht gestört, eigentlich eine unglaubliche Sache, keine Absicht zu haben, und dann passiert so etwas. Wir haben uns sehr gefreut, dass die Reaktionen so waren wie sie waren, und ich muss auch ganz ehrlich sagen, an einem Konsens muss nichts schlechtes sein. Es ist doch schön wenn man eine ganz große Bandbreite an Menschen plötzlich mit irgendetwas bewegt, dass ist doch eine irre Erfahrung, und ich glaube das ist uns damit gelungen. Wie gesagt, wir sind damals nicht ins Studio gegangen um ein Album mit einem Superhit produzieren. Jörn>> Wir haben seit zehn Jahren auf so ein Album hingearbeitet, was einen perfekten Spannungsverlauf hat, so ein bisschen das ... ja, perfekte Elektronikalbum, gemischt mit anderen Elementen die uns interessieren. Auch aus der Pop- und Rockmusik. Ziel war ein Album mit mehreren Höhepunkten zu schaffen, klar Rocker ist im nach hinein die herausragende Single, aber es war uns wichtig einen Spannungsverlauf durch mehrere Tracks hinzubekommen. Eine CD die man am Stück sehr gut durchhören kann, etwas was man im Dancefloor oder Technobereich eher ganz selten hat. Es läuft eher auf einer Art Maxisingle-Ebene ab. Oft genügt das ja auch, die meisten bekannteren DJs machen mal alle zwei Jahre eine Maxisingle. Aber das da mal ein Album kommt, das man durchhören kann, nicht nur in einem Tempo durchläuft, oder nicht einfach nur ein paar Maxis aneinandergepappt sind, das gibt es eher selten. Das Ziel, das wir während der Produktion hatten war, im elektronischen Kontext ein Album zu machen, wo die Tiefen und die Highlights vom Sound, auf der normalen Anlage oder im Radio so zu hören sind wie im Club. CM>>> Kann man sich den von dem großen Erfolg von Transphormer lösen, oder besteht jetzt die Gefahr, dass man euch bei der nächsten Produktion nur noch an Transphormer oder gar nur noch an Rocker messen wird? Ist Transphormed jetzt eine Art Abschluss mit dem Transphormer-Thema, einen Punkt den man hinter das Thema setzen mag? Roman>>> Ich glaube, dass wir das Ziel haben uns im Studio zu überraschen. Wenn es dann auch noch die Andere interessiert, ist das natürlich das Beste was uns passieren kann. Nur man muss ganz ehrlich sagen, so wie wir arbeiten, und wie wir in den Jahren zuvor gearbeitet haben, ist Rocker ein ganz verrückter Zufall gewesen. Der Track war ja auch so erfolgreich, weil da etwas zusammen kam, was man zuvor nicht am Reißbrett geplant hatte, aber beinhaltet, was Menschen getroffen und bewegt hat. Jetzt sind wir soweit entspannt, dass wir uns erst mal wieder im Studio überzeugen müssen. Wir sind auf einem anderen Level angekommen, wir haben eine Menge gelernt, und hoffen, alles so perfekt umzusetzen, dass es auch die Andere interessiert. Grundsätzlich denke ich, dass es schon sehr positiv war, über so ein Stück wie „Rocker“ einen solchen Crossovereffekt erreicht zu haben. Jetzt muss man eben erneut überzeugen. Aber weißt du, jetzt anzutreten um nachzulegen ... es kam ja dieses Jahr mehrmals die Frage „ Wann kommt die nächste Single?“ „Wann kommt der nächste Rocker?“ Das haben wir bewusst ausgebremst, jetzt schauen wir erst einmal was passiert. Jörn>>> Ich würde auch sagen, Druck ist überhaupt nicht da, Spannung ja, eine positive Spannung natürlich (lacht). Im Studio versuchen wir immer das Optimale zu erreichen, und uns selbst zu übertreffen, wir suchen immer nach absurden Sachen. Da kann auch mal was total Durchgedrehtes passieren, ein Rhythmus wegfallen, ein Sound völlig deplaziert erscheinen. Das sind die Momente auf die wir hinarbeiten CM>>> Auf Transphormed findet man zum einem eure Remixarbeiten, und zum anderen die Remixarbreiten anderer Künstler des Transphormer Albums. Kann man sagen Remixarbeiten von Freunden für euch? Roman>>> (lachend) Weitestgehend von Freunden, natürlich gibt es auch ein paar Leute die wir nicht so gut kenne Erich Prydz zum Beispiel.(lacht) Aber die ganzen deutschen Artist, sind ja auch Labelkollegen, Ricardo, Isolée, die veröffentlichen ja auch auf Playhouse. Grundsätzlich ist zu dem Album zu sagen, das die erste CD von Transphormer, also die Remixe die wir für andere Künstler gemacht haben, den Weg beschreibt, der uns letzt endlich zu Transphormer geführt hat. Das heißt, zuvor ist eine ganze Menge gelaufen, neue Erfahrungen über Remixe die wir für Andere gemacht haben. Man wird bei Remixarbeiten immer wieder mit neuen Soundquellen, anderen Stimmen konfrontiert, die auf ganz andere Wege führen, was uns auch sehr wichtig ist, und auch der Grund warum wir es lieben zu remixen. Wir haben auch Schwierigkeiten Remixe abzusagen und müssen dann hinterher einen Berg abarbeiten. (Jörn fängt an zu schmunzeln) Man wagt sich beim remixen auch Dinge, die man sich erst gar nicht zugetraut hätte. Die perfekte Initialzündung für neue Wege. Jörn>>> Man kann auch allgemeines Popmusikalisches Wissen einbauen. Je größer die Angebote, je besser die Remixe, z.B. für Primal Scream, Human League, oder für Spektrum. Bei Spektrum haben wir die Stimme gar nicht verändert (lacht), obwohl gerade dieses herausfordert hätte. Wenn man einen tollen Song hört, „muss man noch einen drauf setzen!.“ Das setzt Energien frei. Vielleicht beantwortet das deine Fragen was das Transphormer Album angeht, dass man natürlich Toppen möchte, das ist auf keinen Fall negativer Druck. CM>>> Mit Human League beginnt die Transphormed CD, wann habt ihr das Stück remixed? Roman>>> Das liegt schon einige Zeit zurück, 2001 war das... Jörn>>>.. kurz nach Betty Ford. CM>>> Und wie bzw, wer hat auch da angefragt? Roman>>> Das Album, dass Human League damals Album veröffentlichte, interessierte in Deutschland niemanden so richtig, ... letztendlich in England auch nicht. Da dachte die Plattenfirma wohl, vielleicht kann man noch etwas mit Clubremixe reißen. So kam die Plattenfirma auf uns zu, Roadrunner war es glaub ich, und da haben wir uns an die Arbeit gemacht. Das tolle war, es gibt schon immer ein paar Bands auf die wir stehen, da gehört eben Human League auch zu. Es war einfach schon Irre diese Stimme als Solospur im Studio zu haben. Die andere Musik haben wir komplett weggelassen, gab auch nicht viel was uns da gefallen hätte. Aber eben diese Stimme war entscheidend. Den Mann kannst du als Sänger einfach schwer ignorieren, egal was man von ihm hält. Es war für uns einfach eine irre Herausforderung diese Stimme in unseren Soundlosmos einzubauen. Damals hat eine englische Kritik, ich glaube im MixMag, gesagt, niemand kann eigentlich erklären was da zusammen gekommen ist, aber irgendwie funktioniert’s, eine ziemlich bizarre Mischung. Diese Mischung gab es in ganz vielen Bereichen, wie z.B. Tiefschwarz. Wir haben bei Human Leauge unsere beste Essenz von diesem Electroclash Ding mit eingebracht, ohne selbst Electroclash zu sein. Ich glaube schon, dass dieser Remix was losgetreten hat. Jörn>>> Ja gut, Electroclash war ja damals das Ding, dass sich Leute getraut haben einen Song zu schreiben, auch mit Vocals. Gleichzeitig war das größte Problem, das Viele keine gute Stimme hatten, und so kamen zum Teil schauerliche Tracks heraus, oder der Song war schlecht gespielt oder trashig produziert. So gab es im Electroclash auch so manch schlechte Momente (lacht), wobei die meiner Meinung nach überwogen haben. Wenn dann mal gute Vocals drin waren, konnte man in diesem Kontext gute Sachen machen. Zu Human League muss man auch sagen, dass die eine der ersten Bands Ende der Siebziger waren, die einen minimalistischem Ansatz hatte und dann mit „Don’t you want me“ im Club funktionierten. Oder ... vielleicht ein schlechtes Beispiel „Don’t you want me“ wurde mehr wie so eine Italodisco Nummer verwurstet, aber die ganze Platte war schon ein Monolith der Popgeschichte. CM>>> Keine Angst ich geh jetzt nicht jeden einzelnen Titel durch (Beide lachen), aber „Blackwater“ von Random Noise Generation ist auch so ein Thema das mich brennend interessiert. Roman>>> Ja diese Stück kursierte im Untergrund schon relativ lange, und war immer ein irrer Moment im Club, wenn diese Melodie aufgetauchte, und die Leute glücklich machte. Dann wurde irgendwann das Potential von Ministry of Sound erkannt, die haben lizenziert und auch in Deutschland veröffentlicht. Logischerweise wurde dann in Deutschland ein Act gesucht der einen Remix macht. So sind wir dann angesprochen worden, was für uns eine super Sache war, A) da wir das Original auch schon spitze fanden, B) da wir noch nie etwas aus Detroit remixt haben und Random Noise Generation schon immer unglaublich fanden. Wir haben dann unseren minimalen Sound, ja echten deutschen Sound, zusammen mit dieser Soulstimme darunter gelegt. Es gab zwei Versionen einen mit Gesang und einen ohne, und wir fanden diese Stimme und diesen Chorgesang immer schon irre. Das schlimmste war, dass Random Noise Generation diesen Remix überhaupt nicht mochte. Schade weil es unser Liebling ist (lacht). Aber irgendwie find ich die Reaktion auch Klasse, die haben dann bei Ministry of Sound angefragt „Was soll das denn für ein Remix sein?“ Jörn>>> Die wollten einen deutschen Trancemix, wo richtig was passiert. Roman>>> Irgend etwas, damit die Plattenverkäufe wieder stimmen. Wir fanden das köstlich, und am Ende hat dieser Remix in Deutschland dann so gut funktioniert, dass wieder Alle glücklich waren. Jörn>>> Das Problem ist auch, dass die einen ganz anderen Sound haben, die Herangehensweise ist eine ganz andere, die arbeiten mit Midi und Bandmaschinen, während wir schon etwas Hightech mäßiger herangehen. Das war vielleicht der Sound der Stunde hier in Deutschland, aber in England noch lange nicht, schon gar nicht in Amerika bzw. Detroit, das ging erst dieses Jahr los und. So gab es eine gewisse Irritation, die haben eine große Nummer gemacht und wir sollten etwas noch größeres daraus machen, wir haben es eher minimalisiert. CM>>>> In Detroit ticken die Uhren anders! Roman>>> Wenn man mal da gewesen ist, kann man das ein bisschen verstehen. Wir waren letztes Jahr dort, dann versteht man auch, warum so viele Dinge anders verstanden werden, Musik die bei uns eine ganz große Rolle spielt, ist dort nie angekommen. Der ganze deutsche Techno der interessiert nur fünfzehn Leute in der Stadt. Die Anderen sind in einer ganz engen musikalischen Tradition verwurzelt, dieses Submerge Ding und Underground Resistance, das klingt wie es klingt, da wird nicht experimentiert. Wenn man die Stadt sieht muss man einfach sagen, dass Detroit wahrscheinlich einer der unmodernsten Flecken der Erde oder zumindest Amerikas ist. Es bricht förmlich in sich zusammen, jedenfalls die Innenstadt. Man hat da nicht das Gefühl, dass besonders viele junge Leute da sind, und an irgendetwas Neuem forschen, deshalb kommt aus Detroit selbst im Grunde auch sehr wenig. Ghostly und Spectral ist ja in den Suburbs in den Vorstädten beheimatet, middleclass und upper middleclass. Jörn>>> Es gab dieses große Underground Resistance Interview in der MixMag mit Mad Mike, und ich fand es etwas erschreckend, was er so erzählte, z.B. das sie noch einmal den gesamten Backkatalog herausbringen wollen, auf 7“Inch gepresst, weil Ihnen die Produktionskosten für 12“Inch zu teuer sind. Ich fand das schon traurig, das sieht aus, wie das Ende einer großen Ära. Diese 12“Inch Maxis mit dem Sound aus Detroit waren damals die Referenz. Jetzt bröckelt diese Bild so langsam, Submerge war irgendwann mal so ein richtig Mittelständisches Unternehmen. Da sie aber immer an ihren Traditionen fest hielten, immer so weiter gemacht haben, keine Innovation betrieben haben, beschleicht mich das Gefühl, dass diese Legende langsam stirbt. CM>>> Naja, es wird bestimmt keine jungen Leute inspirieren in einer Stadt zu leben, wo in kürzester Zeit fast die Hälfte der Einwohner abgewandert sind. Roman>>> Das ist richtig, und in Amerika hat es die Musik sowieso schwer. Techno ist da nie richtig angekommen. Es ist in Amerika so gut wie gar nicht der Fall, dass Menschen so wie hier in Deutschland von Techno wirklich leben können. Natürlich als Ghostly und Spectral aus Detroit auftauchten, ging bei uns ein Raunen durch die Ränge: „Oh schau da ein neues Label aus Detroit!“ Sie fuhren eine ganz andere Veröffentlichungspolitik, teilweise deutsche Künstler auf ihr Label nahmen, einen ganz anderen Sound hatten. Die haben natürlich auch die Underground Resistance Platten gekannt, aber sich nicht dieser Tradition verpflichtet gefühlt. Jörn>>> Der Sam (Ghostly) hat auch einen ganz anderen Indie, Hip-Hop Background, kommt auch eher aus einer Europäischen Business Familie. Die andere Variante ist dann Ghetto, und das Fatale ist, dass diese Teilung des Erfolges auch ein Problem ist, dort gibt es keinen Community Gedanken. Aktuelles Beispiel war DJ Rolando, der ganz großen Erfolg hatte, und sich dann von Underground Resistance getrennt hat. Die dürfen jetzt seinen Backkatalog nicht herausbringen. Das sind natürlich Sachen die so einem Label auch das Genick brechen können. Das wäre bei uns genauso, wenn Heiko Müller bzw. Isolée ankäme und seinen Backkatalog wo anders herausbringen würde, so mit Anwalt und usw, das wäre das für uns mehr als Kontraproduktiv... CM>>> Gerade jetzt in einer Zeit in der die Western Store Veröffentlichung vor der Tür steht... (alle fangen an zu lachen) Jörn>>> ...wir können hier in Deutschland echt froh sein, dass sehr viel Labelübergreifend gearbeitet wird. Hier ist der ganz große Vorteil, dass z.B. Perlon nicht gegen Playhouse arbeitet, sondern das man sich hier immer als Community verstanden hat, und auch im Austausch arbeitet. In Amerika wurde der jenige, der Erfolg hatte, auch immer gleich abgezockt.... Roman>>>... das Urheberrecht in Amerika ist gegenüber dem Deutschen Schall und Rauch, auch Gema oder ähnliches gibt es nicht, das erklärt auch die Ellenbogen wenn es um Geld geht. Jörn>>> Amerika ist eben ein Performance Land, wenn du da Jemanden erzählst das du 3000 Singles verkauft hast, dann ist das nicht einmal mehr ein Hobby sondern ein großer Quatsch. Es wäre da nicht möglich, dass du mit einer 500er Auflage eine Spex Titelseite holst. CM>>> Abrupter Themenwechsel, eine Frage zu Rocker kann ich mir nicht verkneifen. Roman>>> Nur zu! CM>>> Mit was habt Ihr diesen Acidmelodiesound gemacht, mit einem Pitchbend oder einem Ribbonband... oder alles nur romantische Wunschvorstellung? Roman>>> (lacht) Ein Nordlead war es, ich hab mit dem Modulationsrad quasi herumgejammt. Also technisch gesagt habe ich den Oszillator moduliert. Für uns sollte das so eine total bekloppte Chicagoreferenz sein. Wie auf irgendwelchen Dancemainiaplatten, z.B. Green Velvet, einfach so völlig bekloppte Sounds in den Mittelpunkt zu stellen. So etwas macht mir immer wieder Spaß. Hört man so etwas im Studio bleibt man daran hängen, gerade wenn man die Refernzplatten im Hinterkopf hat (lacht). Jörn>>> Das ist halt, wie schon gesagt, dass tolle an Rocker, dass da so viele Welten aufeinander treffen. Man hat da wie bei so einer Punk- oder Gtungenummer einen echten Refrain drin, am Anfang so einen Acidteil, der aber trotzdem über den Rockrhytmus läuft, das geht dann so durch verschiedene Welten. Deshalb konnten wahrscheinlich so viele etwas damit was anfangen. CM>>> Ist das Mischpult live immer Mittelpunkt eures Setups? Jörn>> Ja, auf jeden Fall, das ist unser Zentrum, eins unserer Hauptinstrumente. CM>>> Ich hab noch einen Microkorg erkannt, einen alten Ensoniq... Roman>>> Ja, dass ist der Uraltsampler von Ensoniq der ASR 10 den wir immer noch mit uns rumschleppen. Jörn>>> Den Roland JD 990. Roman>>> Im Prinzip alles alte Kisten die wir Live benutzen, zum Teil haben wir die schon vor zehn Jahren bei Acid Jesus auf der Bühne benutzt. Die sich aber in irgendeiner Form bewährt haben, aber langsam auseinander bröseln, so dass wir uns was Neues überlegen müssen. Aber das Mischpult ist unser zentrales Instrument, daran wird gearbeitet der Sound verändert. Für uns ist es nicht entscheidend, dass wir am Anfang diese Acid Melodie live auf dem Keyboard spielen, darum geht’s nicht. CM>>>> Ihr arbeite also Live mit klassischen MIDI Spuren? Roman>>> Ja, es sind Midi-Spuren die angetriggert werden über einen Uralt Sequenzer aus Deutschland, der sehr rudimentäre Möglichkeiten hat im Eingriff, Du kannst Loops setzen, kannst im Ablauf in bisschen manipulieren. Im Verhältnis zu Abelton gar nicht vergleichbar, aber so ist ja auch in unsere Musik nicht angelegt. Jörn>>> Auch da noch einmal der Sprung zu Transphormer, man macht einfache Schritte, einfache Arrangements wenige Spuren die laufen, und alle Sachen die reinkommen knallen dann. Roman>>> Im Prinzip muss eine Drei-Mann-Band Transphormer spielen können, Gitarre, Schlagzeug, Bass....ab dafür! Jörn>>> Live sieht es dann so aus, dass am Mischpult mit Hall und Delay gearbeitet wird,über den Gain verzerrt wird, und ich zum Teil den Vocoder vom Microkorg benutze. Roman>>> Dann haben wir noch einige kleine Kisten rumstehen, einen Korg Electribe und kleine Effektgeräte. Entscheidend ist auch ein Effektgerät aus den Siebzigern, ein Gitarrenefffekt „Timemachine“ von Ibanez, das verzerrt extrem und erzeugt extremste Delays. Im Prinzip ideal für Dub Reaggae. Alles Soundquellen die das Ganze so ein bisschen aufrauen, soll ja auch rough und nicht zu amtlich nach Studio klingen. CM>>> Wie seid Ihr mit Herrn Karmarkar zusammen gekommen? Roman>>> Der Rumold hat schon ganz früh vor Jahren Kontakt zu uns aufgenommen. Jörn>>> Auf der Loveparade hat er uns mal gesehen. Roman>> Stimmt, der ist morgens ins WMF gestolpert und war da total angefixt von unserem Liveset. Danach hat er auf Umwegen hier im Büro den Kontakt aufgebaut, es ging dann Jahrelang so hin und her, und irgendwann kam er mit dieser Dokuidee um die Ecke. Er kommt ja auch ursprünglich vom Dokumentarfilm. Er ist uns dann auf acht oder neun Konzerte hinterher gereist, und hat mit seiner sehr ruhigen Art, Konzertsituationen im entscheidenden Moment einfangen. Raus kam dann Material anderer Elektronikkünstler„Between the devil and the wide blue sea“. CM>>> Habt Ihr das Endprodukt sprich den ganzen Film schon gesehen? Roman>>> Noch nicht, der läuft natürlich nicht im regulären Kino, aber kommt früher oder später auch als DVD raus. CM>>> Auf der Viennale konnte man in sehen. Jörn>>> Richtig, wir hatten aber leider kein Zeit. CM>>> Er hat eine sehr eigen Art zu Filmen, so eine sehr schüchterne Kameraführung, mal so eben hinter dem Vorhang nach vorne gefilmt. Jörn>>> (lacht) Ganz genau... Roman>>> Er ist ja sehr streng zu sich selbst, und auch streng in seiner Vorstellung von Ästhetik. Mache werden bestimmt einschlafen wenn Sie den ganzen Tag MTV sehen, auf der anderen Seite finde ich es spannender, wenn es jemand radikaler, als 50 Schnitte in der Minute ansetzt. Wir waren natürlich sehr glücklich und zufrieden, dass wir sein Material bei der Transphormed CD draufpacken konnten, da so etwas in der heutigen Bildsprache gar nicht vorkommt. Jörn>>> Ja das Tolle ist auch, dass man das Konzert so wie der Zuschauer sieht, so wie es oft in den Clubs vorkommt, da steht oft einer hinter uns und schaut uns einfach zu. Ohne Bildschnitt, ohne Effekte ohne Alles. Diese Dokumentationstechnik die er verwendet finde ich sehr gut, die ist sehr menschlich als wäre man als Zuschauer dabei gewesen. CM>>> Als ich das Material gesehen habe dachte, dass ihr euch durch seine Herangehensweise bestimmt nicht beobachtet gefühlt habt. Oder irre ich mich? Jörn>>> Überhaupt nicht... CM>>> In einem Moment winkt Roman ab, und man hat den Eindruck das etwas schief gegangen ist, vielleicht ist aber auch nur eine Fliege vorbeigeschwirrt,(beide lachen) aber auf jeden Fall ist das schon fast ein intimer Moment. Einen Schwenk später sieht man dann bei den Ibiza Aufnahmen die „Eintänzerinnen“ (Beide lachen noch lauter).Was dann einfach für mich gelungene Bildsprache ist die sehr viel Interpretation zulässt, vom intimen Moment, der natürlich öffentlich ist, hin zu „Dance a Gogo“. Roman>>> Ja, am selben Abend hatte ein Filmteam für die Coocon DVD gefilmt, dass war genau die Gegenveranstaltung, mit fünf oder sechs Kameras waren die im Einsatz. Ich will auch gar nicht sagen, dass das schlecht war, oder uns gestört hätte. Aber Rumold hat halt viel weniger Aufhebens darum gemacht. Die Coocon DVD ist vom Ansatz ganz anders, da sind viele Schnitte und alle möglichen Perspektiven. So wie man heute denkt, dass es sein muss um die Leute zu fesseln. Wir haben somit von ein und denselben Abend, zwei komplett unterschiedliche Entwürfe mitbekommen. Jörn>>> Ich glaube es ist nicht gut, wenn so eine Garagen Band im Grunde so wie wir, mit tausend Effekten aufgeblasen wird. Es ist besser wenn so etwas einen gewissen Minimalismus erfährt. CM>>> Standardfrage(lachend) Wie geht’s weiter mit Alter Ego? Roman>>> (lacht) Die ist auch kurz beantwortet, wir werden uns einfach im kommenden Jahr an ein neues Album setzen. Wir werden weniger live spielen und wieder mehr Zeit im Studio verbringen, Ideen sammeln. Wir bringen uns im Augenblick wieder mehr für das Label ein, so dass auf Klang auch wieder mehr passieren wird. Aber für uns als Musiker ist es wichtig wieder im Studio zu arbeiten, mit Transphormer und Transphormed ist jetzt erst einmal ein Kapitel abgeschlossen. Jörn>>> Es war ja auch so, dass wir, was wir noch nie gemacht haben, dieses Jahr neun Maxisingles veröffentlicht haben. Nebenbei live gespielt, und auch vom Label ein ziemlich großer Focus auf unserem Projekt gelegen hat. Ich freue mich jetzt einfach darauf mich auch wieder um andere Dinge zu kümmern, zum Beispiel ein sehr tolles Johannes Heil Album, was jetzt im Frühjahr kommt. Ein Album von Roman, die Compilation von Isolée...dann ein Album von MyMy aus Berlin. Ja, das sind so die Schwerpunkte bis zum Sommer. CM>>> Roman, du hast vor ein paar Tagen auch als Christopher Dell veröffentlicht. Was ist "Cristopher Dell"? Roman>>> Christopher Dell, tja, das ist was ganz anderes, ein Jazz Album das jahrelang darauf gewartet hat mal veröffentlicht zu werden. Es ist bei einem ganz kleinen japanischen Label veröffentlicht worden, kommt jetzt auch in Europa raus. Ist aber kein Projekt das so Schwerpunkt mäßig zu sehen ist! Jörn>>> (grinst) Keine Christopher Dell Tour! Roman>>> Auch keine Welttournee.... CM>>> Dann der feierliche Abschluss, was braucht ihr für den perfekten Tag? Roman>>> Ich glaube, ich brauche für den perfekten Tag..... und das hab ich ja recht häufig, hab also oft perfekte Tage, so schlimm ist ja mein Leben nicht. Das ich mit Leuten zusammen bin die mir Riesenspaß bereiten, und eine Aufgabe habe die mein Leben ausfüllt. Das ist schon wahnsinnig viel! So einfach kann man es haben. Jörn>>> Ich brauch nur einen guten Espresso und etwas Rosmarinöl für meine Badewanne morgens, dann sieht alles schon wieder ganz gut aus.... www.ongaku.de Photos by stefan freund © ongaku Interview Michael Mück All rights reserved Cuemix-Magazine |
