Woher kommt der Namen des Labels? Gibt es eine spezielle Bedeutung? Ist der Name ein Wortspiel? Ausdruck der Labelphilosophie, oder rein zufällig entstanden?
Es ist eine Mischung aus Beidem. Also ein Wortspiel, ein bisschen Zufall auch. Als ich das Label gegründet habe waren so "Kling Klong" Sounds ziemlich angesagt und ich fand das auch sehr cool als Namen. Im nachhinein gab es natürlich den Einen oder Anderen, der meinte es wäre von Kraftwerks Kling Klang oder auch Sharam Jeys King Kong abgekupfert. Ich hatte aber beide überhaupt nicht auf dem Schirm, als ich auf den Namen kam und denke auch, dass das insgesamt durch das ganze Erscheinungsbild und auch die Art der Musik kein Problem ist.
Wann, und von wem, wurde das Label gegründet?
Das wurde von mir 2004 gegründet und dann in Kooperation mit Great Stuff Records in München zusammen realisiert.

Was war der Antrieb bzw. Hintergrund ein Label zu gründen? Begann alles aus Spaß, oder schon als ausgewachsene Geschäftsidee?
Da ich ja schon jahrelang Musik produzierte und auch mein anderes Label Session Deluxe betrieb, wollte ich eine zweite Plattform eröffnen, um da musikalisch noch mehr Bandbreite bedienen zu können. Session Deluxe ist Housiger, Tooliger... Kling Klong war eher für als Peak Time Material gedacht. Die Sachen dort sollen zwar immer noch Undergroundig und zeitgemäß sein, aber auch den Anspruch erfüllen, mehr als nur ein Tool zu sein. Da passte es ganz gut dass Great Stuff mit im Boot war. Die haben einfach die Erfahrung und die Tools um mit dem Label mehr zu erreichen.
Gibt es weitere Sublabel? Wann und warum kamen diese dazu?
Nein, eben nur mein anderes Label Session Deluxe. Das gibt es schon seit 2000.
Wie kann man das Label, oder die Sublabel stilistisch einordnen? Gibt es klare musikalische Grenzen? Wo möchtet ihr am liebsten eingeordnet werden?
Hm, wie eben schon gesagt ist eben Session Deluxe Tooliger, Housiger. Kling Klong hat Anspruch auf mehr, aber natürlich nicht im musikalischen Sinne, da ist Session Deluxe sogar eher für das "coolere" Programm da.

Welche Medien veröffentlicht ihr? MP3, CD, Vinyl... Werdet ihr zukünftig zusätzliche Medien anbieten? Gibt es für euch auch “uninteressante“ Medien?
Generell veröffentlichen wir alle Medien. Die Frage ist allerdings, wie lange Vinyl tatsächlich noch Sinn macht. Es ist ja kein Geheimnis, das die Zahlen bei allen runter gehen und die Kosten dazu stehen leider nicht mehr in Relation. Soll jetzt nicht heißen, dass wir morgen kein Vinyl mehr anbieten, ich denke aber doch, dass es sich auf mittlere Sicht ändern wird.
Habt ihr einen eigenen Shop bzw. Webshop? Wie wichtig ist ein eigener Shop?
Nein, wir setzen auf bewährte Partner. Vinylvertrieb macht Word And Sound und digital arbeiten wir mit Kontor New Media und sind sehr zufrieden ....
Welche Länder werden von euch beliefert? Nutzt ihr einen Vertrieb, oder werden eure Produkte im Eigenvertrieb ausgeliefert?
Sowohl Word And Sound als auch Kontor vertreiben weltweit. Ab und an kommt es vor, dass man direkte Deals mit einem Vertrieb in einem jeweiligen Land macht, dann macht das natürlich der jeweilige Partner für sein Land selbst.
Wie werdet ihr auf neue Künstler aufmerksam?
Man bekommt zwar tonnenweise Demos, aber da ist so gut wie nie was brauchbares dabei. Das klingt alles mehr oder weniger nicht schlecht oder sogar gut, aber ist fast nie was Besonderes. Also baut man entweder selbst Künstler aus dem eigenen Umfeld auf oder versucht wirklich die besonderen Nummern fürs Label zu bekommen, was natürlich sehr schwer ist. Wenn ich mal Demos bekomme, die mir auffallen, dann will ich natürlich mehr vom jeweiligen Produzenten haben um auch zu sehen, ob hinter ihm Substanz steckt. Mittlerweile ist ja mit einem Release kein Geld mehr verdient, sondern nur langfristiges Arbeiten kann sich bezahlt machen. Von daher lohnt es einfach nicht, von einem Künstler nur eine Single zu releasen.
Ist es sinnvoller für ein Label, möglichst viele Künstler zu signen, oder ist “weniger - mehr”? Kann ein Label durch “je mehr - je größer” einen höheren Stellenwert bekommen?
Masse war ja noch nie ein Rezept für Erfolg. Deswegen ist es genauso wie ich es oben beschrieben habe: Langfristiges Arbeiten mit einigen wenigen Künstlern, auf die man setzt bringt auch langfristig den Erfolg. Das wiederum bringt dann auch den Stellenwert.
Gibt es eine Demo Policy? Wer checkt die Demos und entscheidet welche Künstler eingeladen werden?

Die Demos werden alle von mir angehört. Ich schaffe es nicht immer allen zu antworten, das ist einfach zu viel. Aber ich höre mir schon alles an, außer Demos die an mehrere Labels einfach nur “CC“ unpersönlich geschickt werden, was ich im Übrigen eine Unverschämtheit finde. Die Leute erwarten, dass man jeden Tag mindestens zwei Stunden Zeit hat, um sich Demos anzuhören, machen sich aber selber nicht mal die Mühe, einem persönlich zu schreiben beziehungsweise sich überhaupt damit auseinander zu setzen, was die Politik des jeweiligen Labels ist oder wer dahinter steht.
Wieviel Releases habt ihr durchschnittlich im Jahr? Wie lange werden diese zuvor geplant?
Wir haben zwischen acht und zwölf Releases im Jahr. Die Vorplanung ist in etwa zwei Monate pro Release.
Gibt es eine Verbindung zur "Heimatstadt" des Labels? Denkst du das Label würde seine Identität verlieren wenn es in eine andere Stadt ziehen würde?
Ich selber habe zwar eine gute Verbindung zu meiner Stadt, meine Labels aber nicht. Was außer den Künstlern kann man für eine Verbindung zur eigenen Stadt haben, außer dass das Büro dort ist? Und da ist es bei mir eher so, dass die Künstler auf der ganzen Welt verteilt sind.

Welchen eurer Releases würdest Du als den Erfolgreichsten bezeichnen?
Schwer zu sagen, das ist relativ konstant mit Höhen und Tiefen. Was auf jeden Fall viel fürs Label und die Künstler gebracht hat, waren die zwei Alben, die bislang kamen ... da wären Namito und myself.... Bin sehr gespannt auf das Oliver Klein und Peter Jürgens Album. Ich selber arbeite auch an meinem zweiten Album.
Neben den Verkaufszahlen welcher Release ist dein persönlicher Favorit?
Auch hier gibt’s wirklich keine klaren Favoriten. Ich entscheide und selektiere ja, was released wird. Deswegen gefällt mir logischerweise alles, was ich herausbringe sehr, denn das ist auch das Hauptkriterium für einen Release auf meinen Labels.
Niemand spricht gerne über Misserfolge, trotzdem, wie viel muss Zeit vergehen bis man einen Release definitiv als Flop bezeichnen kann? Gab es schon den Fall, dass sich ein Release erst gar nicht verkauft hat so dass man ihn als Flop abgeschrieben hat und plötzlich verkaufte er sich durch Zufall wie “geschnitten Brot“?
Was es schon ein paar mal gab, dass wir absolut Whnsinns Dj Feedbacks hatten nach der Promo und schon den Riesenhit erwarteten, sich dann die Platte aber nur ganz normal verkauft hat. Auch andersrum ist das schon passiert. Man kann daraus sehen, dass sich erstens nichts wirklich vorhersagen lässt und zweitens, dass es immer noch einen Unterschied gibt, zwischen Dj Platten und Hype-stuff und den echten Verkäufen.

Dein Gefühl: Würdest du sagen es ist für Label schwieriger geworden durch p2p, mp3...?
Ja und nein. Mp3 hat uns auf jeden Fall Märkte geöffnet, die vorher nicht existent waren wie zum Beispiel Asien und Südamerika. Außerdem ist es in dem digitalen Bereich günstiger geworden, Musik zu vertreiben und zu releasen. Andererseits hat man erstens diesen unglaublichen Overflow an Sachen, die den Markt verstopfen und zweitens natürlich die ganze illegale downloaderei die auf jeden Fall wirklich sehr viel Einbußen beschert hat. Es gibt aber diverse Labels , die es eindrucksvoll geschafft haben, mit digital-only sich zu etablieren und gut zu funktionieren. Die reinen Musikverkäufe sind unter dem Strich natürlich geringer geworden, dafür sind die Djs beziehungsweise Produzenten mehr unterwegs und verdienen ihr Geld mit auflegen. Man muss es als Label deswegen schaffen, die Leute enger an sich zu binden und dann macht das Ganze auf jeden fall Sinn.
Welche Medien nutz ihr für die Promotion? Wie wählt ihr eure Medienpartner aus?
Im Allgemeinen, wie wichtig sind die Medien heute für die elektronische Musik?
Was ärgert dich am meisten wenn du mit den Medien arbeitest? Eine schlechte Review, keine Rückmeldung...
Wir machen nach wie vor eine relativ große Dj Promotion, dann werden wichtige Magazine und Portale bemustert und es passiert viel auf unseren eigenen Websites und die der Vertriebe. Viel mehr kann man außer bei einem Album release eh nicht machen, das größere Kosten nicht mehr eingespielt werden. Für einen release ist jede Publicity hilfreich, manchmal aber nicht mehr ganz so wichtig wie früher. Die Leute gehen inzwischen sehr viel von selber auf die Websites der Labels und informieren sich über Dj Playlists und Vertriebsportale selbst. Dies gilt natürlich nur für bereits etablierte Labels. Was mich manchmal an den Medien ärgert ist, dass zu sehr auf Hypes gesetzt wird, die mit den echten Verkaufszahlen manchmal nichts zu tun haben.
Musik ist ein Geschäft wie jedes andere. Wie wichtig sind im Umgang mit Künstlern, Promotern und Vertrieben die Freundschaft und das Vertauen? Trennst du diese Dinge im Geschäftsleben?
Dieses Ganze Label Business funktioniert nur noch richtig, wenn man seine Family aufbaut. Und genau da ist Loyalität und auch Freundschaft sehr wichtig. Nur das kann funktionieren.
Dein ganzer Tag, dreht sich vermutlich um das Geschäft mit "Musikmedien" Gehst du trotz allem noch in einen Plattenladen um Musik zu kaufen?
In Plattenläden gehe ich schon seit Jahren nicht mehr. Aber natürlich online. Ich kaufe sehr viel Musik. Übrigens nicht nur elektronische, sondern jeglicher Art. Das ist für mich sehr sehr wichtig.
http://www.klingklong.net
http://www.klingklong.com/
Photos by permission of Kling Klong Records
Interview Michael Mück/Autumn 2009
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