CM>>>Johannes, das erste was mir aufgefallen ist, als ich mich auf unser Interview vorbereitet habe, war die Tatsache dass in deinem englischen Pressetext das Wort „Autodidakt“ fällt. Ist es tatsächlich so dass du hast dir alle Instrumente selbst beigebracht?
Johannes>>>Ich spiele Gitarre, Bass und Klavier. Jedoch als Komponist weiß ich was ein Schlagzeug, Cello, Saxophon, Trompete, etc. zu spielen hat, deshalb kann ich die ganzen Instrumente dank digitaler Technik programmieren. Ein Komponist, auch schon frühere klassische Komponisten konnten selbst nie alle Instrumente so gut spielen wie die Instrumentalisten, sie hatten einfach ein Gespür dafür wie welches Instrument zu klingen hat.
CM>>>Wann hast du angefangen ein Instrument zu lernen und welches war das?
Johannes>>>Mit 10 Jahren habe ich angefangen Klavier zu spielen, mit 13 dann Gitarre. Bass habe ich dann einfach von der Gitarre abgeleitet.
CM>>>Wie bist du mit Musik in zum ersten mal in Berührung gekommen? Stammst du aus einer musikalisch ambitionierten Familie oder hat dich als Kind zum Beispiel eine bestimmte Radiosendung fasziniert?
Johannes>>>Meine Familie ist, außer meiner Mutter, sehr unmusikalisch. Mit Pop/Rockmusik bin ich durch Partys von meinen älteren Geschwistern in Berührung gekommen. Mein Bruder hat mir 2 Akkordfolgen von populären Titeln gezeigt, das darauf folgende Lied habe ich dann selbst komponiert. Es viel mir erstaunlich leicht. Dann wollte ich so spielen wie Carlos Santana. Jedoch als mir klar wurde wie und was Keith Richard spielt ... ich bin ein Keith Richard Fan., habe ich aufgehört zu üben (lacht)!
CM>>>Wie viele Instrumente spielst du mittlerweile?
Johannes>>>Ja, wie bereits erwähnt, ich spiele Gitarre, Klavier und Bass. Alles weitere kann ich programmieren.
CM>>>Wann hat dein Einstieg in die professionelle Musik begonnen?
Johannes>>>Professionalität, wo fängt sie an? Ich kann bisweilen nicht allein von der Musik leben. Der Markt ist sehr kompliziert. Ich arbeite darauf hin. Darüber hinaus arbeite ich auch gerne in meinem Beruf als Dipl. Sozialpädagoge.
CM>>>Gibt es ein Instrument auf dem du hauptsächlich Ideen für deine Songs entwickelst? So eine Art ständigen Begleiter oder Freund?
Johannes>>>Ich wechsele zwischen Gitarre und Klavier ab. Mit der Gitarre komponiert man anders als mit Keyboards. Ganz selten kann aber auch ein Loop mich zu einem Titel inspirieren, oder auch – ganz selten – ein bestimmter Synthie – Sound.
CM>>>Schaut man sich die Liste der Musiker und Projekte an mit denen du schon gearbeitet hast bleibt einem aufgrund der Vielzahl und der verschiedenen Stilrichtungen der Mund offen stehen. Es gibt für dich keine Grenzen in der Musik - kann man das so sagen?
Johannes>>>Musik ist ein Universum welches unendliche Möglichkeiten bietet. Ja!

CM>>>Dann wäre es wohl auch richtig zu behaupten, dass du Musik genauso wie die Luft zum Atmen brauchst?
Johannes>>>Ja, das könnte man sagen, Musik ist meine Passion, eine Rakete und meine letzte Rettung !
CM>>>Gerade im Bereich Downbeat, Chillout und Lounge Musik hast du in den letzten zwei Jahren eine unheimliche Anzahl an Musik veröffentlicht. Drei Alben, sowie ungefähr 120 Tracks. Was treibt dich an ständig Musik zu schreiben und zu produzieren?
Johannes>>>Das kann wie gesagt die letzte Rettung sein um nicht verrückt zu werden und Ausdruck meiner Lebensfreude. Es fällt mir sehr leicht sehr viel zu komponieren, weil ich irgendwie ...glücklicherweise... Zugriff auf das Universum Musik habe. Darüber hinaus sind mir viele Dinge einfach zu langweilig. Zum Beispiel Fern zu sehen oder mit Bekannten oder Freunden Stundenlang unbedeuteten „Smalltalk“ zu halten oder Bücher und Zeitungen zu lesen.
CM>>>Aber das bedeutet doch auch dass du nahezu jeden Tag im Studio sitzt und an neuen Stücken und Ideen tüftelst?
Johannes>>>Ja das kann man sagen, es ist manchmal auch wie eine Sucht. Ich setze mich manchmal drei Minuten ans Keyboard respektive Klavier und die Idee zu einem neuen Track ist geboren. Dann kommt die Herausforderung es so zum klingen zu bringen wie die Uridee mal war – wie ich es in meiner Vorstellung bereits gehört habe. Da gibt es zwar viele Einbahnstrassen, Stopschilder und Sackgassen jedoch ist es dann fast schon ein Zwang den Titel zu meiner Zufriedenheit zu Ende zu arrangieren.
CM>>>Also doch ein Musik Junkie... ist es dir noch nie passiert, dass du in der Vielzahl von Veröffentlichungen auch mal eine Art „Schreibblockade“ hattest? Oder kann dir das nicht passieren, da die Musik die du veröffentlichst einfach aus dir raus muss?
Johannes>>>Es gibt Dinge die ein Mensch einfach tun muss ! Ich muss Musik machen, das ist mein Leben. Ich muss ganz bewusst kreative Pausen einlegen, sonst wiederhol ich mich. Schreibblockaden... das kenn ich nicht wirklich.
CM>>>Neben deinen Downbeat und Chillout Projekten unter dem Namen Area 42 und Newton, machst du noch immer Musik die in andere Stilrichtungen geht oder ist Downbeat und Chillout die Musik auf die du dich im Moment konzentrierst?
Johannes>>>Ich habe festgestellt, dass Downbeatbereich sehr viele Musikrichtungen beinhaltet. Jazzelemente, Popmusik, funky Riffs, Klassik, etc.; Chillout oder Loungemusik ist fast schon eine Kunstrichtung. Anfangs war das eher ein Versuchsballon der dann auf einmal super schnell zu meiner Freude abhebte. Ich stehe so auch auf konventionelle Poptitel. Sie müssen nur gut gemacht sein, das ist glaube ich aber in jedem Bereich so.
CM>>>Chillout und Lounge ist zum großen Teil Musik die elektronisch produziert wird, wann und wie bist du mit elektronischer zum ersten Mal in Berührung gekommen?
Johannes>>>Als ich meine „E“ Gitarre bekam ... (lacht), … nein ! (lach), also in meinen Bandbesetzungen war immer ein Keyboarder den ich unheimlich wichtig fand. Ich habe das Gefühl, dass Keyboards letztlich Bass Gitarre und Schlagzeug zum abheben bring. Ich bin zwar ein unsterblicher „Rolling Stones“ Fan, jedoch haben die ja auch viel mit Klavier und Streichern gearbeitet.
CM>>>Ich habe gelesen, dass du mit Mike Ink gearbeitet hast? Was war das für eine Produktion? Und habt ihr noch Kontakt?
Johannes>>>Wir haben damals versucht sehr individuellen deutschen Pop zu machen. Ich habe mit ihm komponiert und gesungen. Es war vielmehr so, ich habe seine Texte meist als Vorlage für die Musik genommen. Wir haben uns aber schon lange aus den Augen verloren. Wolfgang Voigt ist ein hervorragender Künstler und Ideologe. Als Komponist und Musiker bedient er aber ganz andere Mechanismen. Er ist von Haus aus Schlagzeuger, ich denke sogar ein guter Schlagzeuger. Ich hatte damals und habe immer noch großen Respekt vor seiner unendlichen Kreativität.

CM>>>Also Köln doch auch ein Dorf?
Johannes>>>Ja irgendwie schon, jedoch besitz jeder Mensch eine gewisse Affinität zu Gleichgesinnten. Künstler treffen Künstler, Kreatität trifft Kreativität u.s.w. von daher ist es nicht verwunderlich dass man sich über den Weg läuft. Das witzige ist jedoch, dass ich auch mit Peter Brings ... von den BRINGS.. lange zusammen gearbeitet habe. Die Beiden hassen sich glaube ich zutiefst. Ich finde, dass Beide Ihre Existenzberechtigung haben. Ich denke ich habe diese Extreme in mir vereint. Das ist nicht immer leicht für mich!
CM>>>Dein Album „Roadmovie“ im Sommer dieses Jahres war dein Debut unter deinem Pseudonym „Newton“. Das Album hat eine ganz besondere in sich geschlossene Atmosphäre die ich fast schon als Konzeptalbum bezeichnen würde. Aber sag du mir doch was die Idee hinter diesem großartigen Album ist?
Johannes>>>Die Idee war im Grunde ein Album zu machen welches Kunst und Kommerz verbindet. Ich wollte verständlich und emotional nachvollziehbar bleiben. Einfache Strukturen mit geschickten Arrangements. Ich habe sehr darauf geachtet, dass es gut klingt. Als ich dann dre Titel mit Städtenamen oder bestimmten Orten hatte dachte ich mir, diese Richtung weiter zu verfolgen und es zum Programm zu machen. Außerdem klingt der Name „Roadmovie“ einfach geil (lachend)!
CM>>>Also eine musikalische Reise in siebzig Minuten?
Johannes>>>Ja, exakt !
CM>>>Ich stelle mir nur gerade vor, korrigier mich wenn ich völlig daneben liege, dass es schwierig sein kann ist ein komplettes Album zu schreiben und zu produzieren, wenn man nebenbei noch soviel Musik macht. Da muss man sicherlich eine ganz genau Vision im Kopf haben von dem was man ausdrücken will und das in Musik umsetzen möchte.
Johannes>>>Ja genau und das ist für mich in keiner Hinsicht ein Problem, es bildet sich ein inneres Bild für ein bestimmtes Projekt. Das ist noch nicht mal ein Bild, das ist einfach ein bestimmter Gefühlszustand der die ganze Zeit mitschwingt während des Arrangierens. Das was ich dann höre muss dem inneren Gefühl entsprechen dann ist es für mich gut.
CM>>>>Was inspiriert dich wenn du Musik schreibst? Und gibt es für dich Orte an die du dich zurück ziehst um neue Ideen zu sammeln?
Johannes>>>Orte gibt es nicht, das kann beim joggen, im Auto oder direkt am Klavier oder Gitarre entstehen.
CM>>>Wie lange hast du an „Roadmovie“ gearbeitet? Und gab es eine Art inspirierenden Moment in dem die Idee zu diesem Album geboren wurde?
Johannes>>>Etwa fünf Monate habe ich daran gearbeitet, wobei ich sagen muss, dass in diesen fünf Monaten wesentlich mehr Produktionen entstanden sind. Die „Roadmovie“ Idee kam durch die Titulierung der einzelnen Trax. An diesem Konzept habe ich dann weiter komponiert arrangiert und produziert.
CM>>>Dein neuster Albumrelease bei Molemusic findet nun unter deinem Namen Johannes Huppertz statt. Das Ende aller Künstlernamen und Pseudonyme?
Johannes>>>Nein überhaupt nicht. „Newton“ und „The Architect etc. sind genauso wichtig wie „Johannes Huppertz“. Ich habe viele Seelen in meiner Brust. Den Künstler, den Konsumenten, den glatten Produzenten, den Puristen, den Soundfetischisten, den Perfektionisten und den Gitarristen der keinen Bock hat etwas neu einzuspielen obwohl er hört, das die Gitarre nicht 100% gestimmt ist (lacht)!
CM>>>Was kannst du mir zu dem Album „Eternal Change“ sagen? Es scheint mir mehr Pianolastig zu sein als „Roadmovie“ und es strahlt eine völlig andere Atmosphäre aus... wie kommt das?
Johannes>>>Ka ist das so? O.K. ich glaube das stimmt, bin mir dessen aber nicht wirklich bewusst. Das Album „Eternal change“ ist etwas eckiger und individueller als „Roadmovie“. Bei diesem Album habe ich mehr auf die Idee geachtet als auf die Perfektion. Es ist mir vielleicht sogar etwas näher oder ursprünglicher. Ohne Scheren im Kopf, es ist freier von Konventionen deshalb wird es sich wahrscheinlich auch nicht so oft verkaufen. Oder vielleicht gerade deshalb um so mehr. Da steckt man aber nicht mehr drin. Das ist von sehr vielen Faktoren abhängig. Ich finde jetzt nicht das Eine besser als das Andere. Ich finde sie Gleichwertig – wobei - an was soll man das messen? An Verkaufszahlen?
CM>>>Du bist ein großer Fan von Andy Warhol, was begeistert dich an ihm?
Johannes>>>Andy Warhol ist jemand der es perfekt verstand Kunst und Kommerzialität zu vereinen. Er sagte z.B. Geld machen ist eine große Kunst oder so kranke Sätze wie: Das schönste an Washington ist Mc Donalds, das schönste an Paris ist Mc Donalds, das schönste an Köln ist Mc Donalds. Das schönste an London ist….., das ist doch einfach Genial. Darüber hinaus spricht mich bei seinen Werken die flächige Einfachheit einfach an, dass er sich meist den Grundfarben bediente und dass er Werbung ebenfalls als Kunst ansah, er spiegelte den damaligen Zeitgeist wie kein anderer. Das seine „Marlyn“ irgendwann bei Ikea zu kaufen war, bei Mc Donalds hing und irgendwann im totalen Mainstream landete hätte er wahrscheinlich auch noch gut gefunden. Das ist eine schwierige Gradwanderung, ein Paradoxum welches ich bewundere, weil er ja im Grunde ein großer Individualist war !
CM>>>Ich habe gelesen, dass du „den perfekten Moment“ in der Musik suchst. Hast du ihn schon gefunden oder wäre es das Ende ihn tatsächlich zu finden? Die Suche als kreativer Antrieb?
Johannes>>>Hier und da entsteht beim arrangieren und produzieren dieser Moment, wenn ein Hinführung zu Spannungs /Entspannungsmomenten z.B. mit dem richtigen Drumfill endet dann schafft man den perfekt Momente. Wenn ein Tonsprung genau an der richtigen Stelle statt findet ebenfalls, es gibt viele Momente von Spannungsbögen die einfach ... natürlich subjektiv... perfekt sind. Also werde ich immer weiter daran arbeiten und nicht aufhören, weil das ist immer wieder die Herausforderung ihn zu suchen und zu finden!
CM>>>Was fasziniert dich persönlich an Downbeat und Lounge? Ist es die Ruhe in der Musik die gleichzeitig unheimlich viel Platz für eine reiche Musikalität lässt?
Johannes>>>Ich bin eigentlich immer in Aktion, Überdreht und fast schon Nervös. Downbeat hat eine beruhigende Wirkung auf mich. Der Flow überträgt sich auf mich und ich kann mich in eine gewisse traumhafte Welt begeben die mit der „normalen Welt“ nichts zu tun hat. Die Negation dazu heißt Weltflucht (Lacht) die man nur durch Drogenkonsum erreichen kann. Aber Drogen nehmen möchte ich nicht....mehr.

CM>>>Was sind deine nächsten Pläne?
Johannes>>>Ich arbeite unentwegt an neuen Titeln. Ein weiteres „Newton“ Album, ein weiteres „Johannes Huppertz“ Album. Einzelne Tracks für unterschiedliche Labels komponieren und so weiter. Darüber hinaus arbeite ich mit einem alten Freund zusammen um neue Harmoniegebilde zu erzeugen, die mir vielleicht alleine nicht eingefallen wären. Es wird etwas mehr in Richtung Jazz und wiederum in Richtung Songwriting gehen.
CM>>>Gibt es auch die Möglichkeit dich mal Live zu erleben oder ziehst du die Arbeit im Studio vor?
Johannes>>>Im Moment nur Studioarbeit. Ich bleibe- im Gegensatz zu früher- heute eher lieber im Hintergrund. Obwohl, für die Zukunft wäre das eine Option und eine erneute spannende Herausforderung.
CM>>>Köln wir hatten das Thema schon mal kurz.. Köln die Stadt die du liebst und nicht eintauschen möchtest?
Johannes>>>Ich lebe Momentan sozusagen auf dem Land, was Vor- und Nachteile hat. Davor lebte ich elf Jahre in Bonn. Meine Heimatstadt und Lieblingsstadt ist aber nach wie vor Köln.
In Köln bin ich geboren und werde nach Möglichkeit auch dort wieder hinziehen.
CM>>>Was brauchst du für einen perfekten Tag in deinem Leben?
Johannes>>>Lange schlafen, Sonne, Musik, Sport, meine Tochter, gutes Essen und am besten Abends eine gute Party mit vielen Bekannten und Freunden und…. am nächsten Tag frei!
http://johanneshuppertz.de.tl/Wellcome.htm
http://www.mole.de/dt/Artists/johannes%20huppertz.html
Photos by permisson of Johannes Huppertz/Debusi Publishing
Interview Michael Mück
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