CM>>>Haito, wenn man sich etwas mit deinem Werdegang als DJ, Produzent und Musiker befasst könnte man doch nun mit Recht behaupten, dass sich mit deinem neuen Album „Fiat Lux“ der Kreis schließt. Wenn ich nicht völlig daneben liege wurde dein Interesse und deine Begeisterung für Techno, House... elektronischer Musik durch einen Auftritt von Hans Nieswandt und Eric D. Clark in deiner damaligen Heimat am Bodensee geweckt. Dein wunderbares Album schließt nun mit dem Vocaltrack „The Need To Believe“ gesungen von Eric D. Clark. Anfang und Ende einer lange Reise..?
Haito>>>Haha, tja ---hat so den Anschein...Eric hat sich über die langen Jahre die wir uns nun kennen immer wieder als wichtiger Ratgeber und Mentor erwiesen, einer der wenigen Freunde, die einen auch mal in die Spur setzen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Ein Freund mit gutem Herz...davon gibt´s leider nicht viele.
CM>>>Seit wann kennst du Eric? Und war die Zusammenarbeit für „The Need To Believe“ für dich etwas besonderes?
Haito>>Das muss wohl in den ganz frühen 90ern auf dem "Schiff" im Konstanzer Hafen bei verschiedenen "Spex-parties" mit und von Dirk Scheuring und Hans Nieswandt gewesen sein und dann nach meinem Umzug nach Berlin `96 haben wir uns wieder getroffen. Wir haben immer wieder zusammen aufgelegt und uns auf Parties getroffen und saßen dann danach im Studio. Die Arbeit an "The need to believe" war in sofern was Besonderes, dass Eric innerhalb von zwanzig Minuten die Lyrics auf 2 Zettel stehen hatte und ich von der Message der Vocals von Anfang an sehr berührt war. Gute Trax sind an einem Tag so gut wie fertig, und das ist so einer!
CM>>>Habt ihr das Stück zusammen geschrieben?
Haito>>>Den Track hatte ich schon und der hat Ihm so gut gefallen, dass wir die Vocals in einem Take fertig hatten, danach haben wir ihn zusammen fertig arrangiert. War dann auch klar, dass der Track mit aufs Album musste.
CM>>>Wahrscheinlich fragt dich das Jeder, aber die Frage liegt tatsächlich auf der Hand. „Fiat Lux“ ist tatsächlich dein Debütalbum, obwohl du schon mehr als fünfzehn Jahre im Geschäft bist. Kling etwas vorwurfsvoll, ist aber nicht so gemeint, aber warum hat es so lange gedauert ein ganzes Album aufzunehmen?
Haito>>>Das hat verschiedene Gründe. Zum einen hat mich Boxer erst 2008 gefragt, ob ich ein Album machen will, was mich natürlich gefreut hat. Davor hatte ich immer verschieden Freunde und Kollegen im Studio mit denen oder die ich produziert habe, da hat einfach die Zeit gefehlt sich um ein Soloding zu kümmern. Daher habe ich verschiedene Projekte wie mein Live act "Trash mo pet" mit Stuffit oder auch das Label Spagat auf Eis legen müssen, um meine volle Aufmerksamkeit dem Album zukommen zu lassen. Die sind jetzt wieder aus dem "Winterschlaf" erwacht, ein weiteres Liveact Album ist so gut wie fertig und auch auf Spagat regt sich wieder einiges!
CM>>>“Fiat Lux“ besticht durch seinen abwechslungsreichen Sound von Dancetracks zu Elektronik Pop, Vocaltracks. Es sind so viele verschiedene Stilrichtungen und Ideen vereint ohne dass das ganze überladen oder nicht stimmig klingt. Wie wichtig ist es dir in deiner Arbeit als Musiker dich nicht auf eine Schublade festzulegen?
Haito>>>Weil ich mich nicht nur für Elektronische Musik begeistern kann, ich mag eigentlich fast alles bis auf schlecht gemachten Schlager und allzu debilen Pop...Ich hasse dieses kategorisieren und "Schubladen-denken" schon immer. Wenn was rockt, dann ist es doch egal ob es Elektronische Musik oder Rock ist... es geht doch um das Gefühl, dass du dabei hast.
Die Arbeit an dem Album hat mir ermöglicht, mit verschiedenen Stilrichtungen und Facetten zu spielen und mit einfließen zu lassen ohne die Prämisse: "es muss auf dem Floor funktionieren!"
Es ist definitiv kein "Club Album", dass war auch gar nicht meine Intention, sondern zwischen Clubtrax auch Platz für Songs zu finden und denen die Chance zu geben, gehört zu werden, die es schwerlich auf eine 12" Vinyl geschafft hätten.
CM>>>Aber wie schaffst du es, dass man am Ende trotz der unterschiedlichen Sounds und Stilrichtungen trotzdem genau deinen ganz persönlichen Sound heraushört?
Haito>>>Hmm, gute Frage... jeder hat wohl seine Skillz, wie und mit was er produziert. Warum klingen die Ärzte immer wie die Ärzte und nicht wie Tokio Hotel?.. Das beste Beispiel wenn es um einen persönlichen Sound geht war wohl Timbaland, bis vor einem Jahr hat der doch Alles und jeden produziert, was Rang und Namen hat und man hat immer seine Handschrift durchgehört, so oft, dass es mich fast schon genervt hat.
Ich sehe das als Kompliment, wenn Du sagst, dass die Trax einen typischen "Haito-sound" haben.
CM>>>Gilt diese „Stil-Freiheit“ auch für deine Arbeit als DJ?
Haito>>>Kommt auf den Abend an. Ich bin sicher kein DJ, der stundenlang einen Sound zelebriert sondern ich versuche einen dynamischen Flow zu kreieren, mal etwas deeper oder housiger, aber gerne auch mal voll auf die 12, das kommt wirklich auf den Club und wie die Leute drauf sind an.
CM>>>Hattest du zu dem Zeitpunkt schon eine Idee wie es klingen soll und was dir wichtig war auf dem Album von deinen Ideen darzustellen? Ich frage aus dem Grund, da ich mir vorstellen könnte, dass man bei einem Debütalbum möglichst seinen Sound und seine Ideen auf den Punkt bringen möchte.
Haito>>>Ich habe mir schon überlegt, wie sich das Album anhören sollte. Mir war es wichtig, dass es einen guten Flow hat und man es sich immer wieder anhören will, egal ob beim Auto fahren oder auf einer Afterhour. Das dies nun mein Debütalbum ist stand immer im Hintergrund, da ich davor schon auf verschiedenen Labels released habe.
CM>>>Hast du das Album komplett produziert und dann bei verschiedenen Labeln vorgestellt, oder war von Anfang an klar dass es bei Boxer Recordings erscheinen wird?
Haito>>>Das war von Anfang an klar, als mich die Boxer Jungs gefragt haben. Ich hatte mit Diringer eine 12" auf kickboxer produziert die gut lief und Ihnen danach Skizzen geschickt.
CM>>>Es auf Spagat herauszubringen war keine Option?
Haito>>>Das wäre wohl ein Schritt rückwärts gewesen und zudem hat Boxer viel mehr Erfahrung, Manpower und Connections. Und nette Jungs sind es obendrein, was für mich sehr wichtig ist. Trotzdem wird auf Spagat sicher auch nach der ersten Compilation ein Longplayer erscheinen.
CM>>>Bevor man dein Album anhört fällt direkt das Artwork auf, ich persönlich mag Alben auf denen der Künstler und nicht irgendein Bild zu sehen ist, das erinnert mich immer an die Schallplatten der 50iger und 60ger auf denen der Künstler im Mittelpunkt stand. Wer hatte die Idee zu diesem Artwork und wer hat das Bild gemacht? Ich bin mir einfach nicht sicher aber das Foto erweckt den Eindruck als wäre es ein gemaltes Bild, als wäre irgendein besonderer Effekt drauf?
Haito>>>Das Bild hat einer meiner ältesten Freunde Dirk Pfeiffer aka "Piper" mit mir morgens um halb 7 unter der Rheinbrücke geschossen. Das Label wollte unbedingt mein Konterfei aufs Cover haben, mein erster Coverentwurf war zu spooky... Und Oliver von "The pixelz", der immer für die hervorragenden Artworks für Boxer und Kickboxer verantwortlich ist, hat das ganze dann noch richtig schick gemacht, sodass ich es auch okay fand, mein blödes Gesicht auf dem Cover zu haben
CM>>>Und die winzige Schallplatte in deinem Auge darf auch nicht fehlen.. eher ein kleiner Gag oder ein wichtiges Statement?
Haito>>>Sowohl als auch! Ich fand es prima, als ich es das erste mal gesehen habe.
CM>>>Du arbeitest nun schon sehr lange als Dj, hast als Booker und Labelbtreiber gearbeitet? Kannst du dir einen „Cut“ in deinem Leben vorstellen um dann etwas völlig anderes zu machen das so gar nichts mit Clubs und elektronischer Musik zu tun hat?
Haito>>>Klar! du glaubst doch nicht dass ich noch mit 50 jedes Wochenende in Clubs rumhängen will..?
Sicher, das Auflegen an sich ist definitiv eine Sucht, und die will befriedigt werden, aber es gibt noch soviel Dinge, die ich ausprobieren will, die Einen haben klar mit Musik zu tun, die Anderen gar nicht.
CM>>>Na dann lass mich mal vollkommen in den Fettnapf treten, ist Haito dein Künstlername oder ist das tatsächlich dein Vorname?
Haito>>>...das ist Mein richtiger Name
CM>>> Der Name klingt sehr außergewöhnlich, was bedeutet er und wo kommt er her?
Haito>>>Wie ich und alles Gute kommt er vom Bodensee. Da gab´s im 900 Jahrhundert einen Abt Haito in dem Kloster der Insel Reichenau, später dann Bischof von Basel.
Außerdem ist Haito ein tödlicher Handkantenschlag im Karate, wie ich auf einer Japantour festgestellt habe... , hat aber nix mit meiner Person zu tun (lacht)
CM>>>Klingt mystisch, überhaupt faszinieren dich Mystik und geheimnisvolle Dinge? „Fiat Lux“ ist ja zum einem übersetzt „Es werde Licht“ aber auch der Name einer Schweizer Sekte...
Haito>>>...Das war klar, dass die Frage kommt. Nein, der Titel hat nix mit dieser seltsamen Uriella oder wie die heißt zu tun und schon gleich gar nichts mit einer Sekte!
Eigentlich sollte das Album erst Bruchstücke heißen, doch dann entschied ich mich Anfang des Jahres als alter Lateiner für Fiat Lux! Ein Ausruf, den die Römer früher gebraucht haben, um jemandem Gute Besserung zu wünschen.
Während der Album Produktion letzten Jahres ist meine Mutter schwer erkrankt, und es war eher als Aufheiterung für Sie gedacht. Letzten Monat ist sie dann nach schwerem Kampf gestorben... Und nun hat der Titel wiederum eine völlig neue Bedeutung für mich : Es werde Licht!...jetzt geht es Ihr gut....
Ich wollte Ihr das Album eigentlich noch widmen, was ich hiermit tue.
In einigen Trax (z.B. Non plus ultra/ the need to../mummy)findet man auch meine Stimmung des letzten Jahres wieder. Ein guter Freund meinte, das Album wäre zu meinen sonstigen Produktionen sehr dark und düster...was auch kein wunder ist, nach dem letzten Jahr. Aber nach diesem Tal, kann es nur besser werden!
CM>>>Wie ich bereits sagte, besticht „Fiat Lux“ durch seine Vielschichtigkeit und seine abwechslungsreichen Sounds. Sind Titel wie „Drugpeople“ und „Komm Mal Klar“ auch als Kritik an der Szene zu verstehen oder was steckt hinter diesen beiden besonderen Titeln?
Haito>>>Weder Kritik noch Zeigefinger, das spar ich mir --- das ist zu langweilig sondern einfache Feststellungen, was so um mich rum abging. Jeder kann machen was er will, dass ich mich ab und an über Leute aufgeregt habe und dies in meine Texte miteinfließen ließ, nehm ich mir heraus. Aber wer mir mit erhobenem Zeigefinger kommt, hat schon verloren und ich hab das auch nicht nötig.
CM>>>“Komm Mal Klar“ ist auf Deutsch gesungen, sehr außergewöhnlich für diese Musikgenre und meiner Meinung innovativ mutig. Hast du für dieses besondere Stück auch schon Kritik einstecken müssen... so nach dem Motto:“..jetzt singt der auch noch Deutsch, ist doch kein Technoschlager...“ ?
Haito>>>Komischerweise ist es gerade dieser Track, der auf mehreren Radiostationen rotiert und ordentlich Aufmerksamkeit generiert...wahrscheinlich bin ich doch ein altes Pop-Schwein...
Und wem das ganze auf den Sack geht, der muss es ja nicht hören, du kannst es ja nicht jedem recht machen und das will ich auch auf keinen Fall! Mit Kritik kann ich umgehen, solange sie konstruktiv ist. Wer mir auf den Sender gehen will, kann das gerne äußern, das geht mir aber meistens am Arsch vorbei.
CM>>>Überhaupt Kritik, wie arbeitest du wenn du Tracks oder jetzt insbesondere ein ganzes Album produziert hast. Gibt es Menschen denen du deine Ideen und Tracks vorspielst wenn du daran arbeitest, wenn Sie fertig sind, oder lässt du dich gar nicht beeinflussen?
Haito>>>Nur zu einem gewissen Maß. Klar, den Jungs vom Label habe ich ca. 20 Tracks geschickt die wir dann gemeinsam sondiert haben und meine arme Freundin musste sich das auch oft anhören bis ihr fast die Ohren bluteten...Sorry Babe! Aber sonst hatte ich die Trax weitgehend ausproduziert, bevor ich sie jemandem vorgespielt habe.
CM>>>Jetzt habe ich schon mehrmals zu „The Need To Believe“ das du mit Eric aufgenommen hast befragt, kann mir aber nicht die Frage nach der Idee hinter dem Song verkneifen. Ein optimistisches Stück am Ende eines gelungenen Albums, das Mut und Zuversicht in etwas unruhigen Zeiten machen soll?
... zumindest wirkt es so auf mich.
Haito>>>Hast Du richtig bemerkt. Wie gesagt bin ich dieses und letztes Jahr durch das tiefste Tal meines bisherigen Lebens gewandert, die Krankheit und der Tod meiner Mutter, die aufkeimenden Selbstzweifel die es als Freischaffender gilt zu überwinden und sich selbst zu motivieren.
All das hat Eric gespürt, als er die Lyrics in 20 Minuten hingekritzelt hat und mit soviel Gefühl in der Stimme a la Eric gesungen hat und das hat mich sehr berührt, weil es eine persönliche Ansage an mich war.
CM>>>Wie repräsentierst du das Album live, als DJ Set oder spielst du es Live mit Laptop und Effekten?
Haito>>>Momentan noch in meinen Sets, aber ich habe von sechs der Album trax schon ein neues Liveset arrangiert, dass dann ab Dezember auch Live präsentiert wird, erst dann mach ich auch die amtliche Releaseparty.
CM>>>Du bist als Dj schon in vielen Ländern und Clubs gewesen, gibt es einen besonderen Platz den du im Rahmen der Präsentation von „Fiat Lux“ auf den du dich ganz besonders freust?
Haito>>>Sicherlich in Holland, da ich dort oft spiele und viele Freunde gewonnen habe und natürlich hier in Berlin und um Weihnachten rum in meiner Heimatstadt Konstanz.
Anfang nächsten Jahres geht es dann nach Lateinamerika, darauf freue ich mich natürlich auch sehr
CM>>> Meinst du das nächste Album wird wieder so lange auf sich warten lassen?
Haito>>>Die Frage müsste lauten: "wird es wieder so lange dauern, bis ein fertiges Album released wird?"
Wie gesagt, ein Album mit Robert Philip aka Rob08 ist so gut wie fertig, mit Stuffit, Diringer und ein paar anderen Spezies arbeite ich wieder zusammen und alleine bin ich auch fleißig,---ist die beste Therapie zur Zeit!. Es werden jetzt noch 2 12" Vinylauskopplungen mit Remixen unter anderem von Modeselektor kommen, die erste Auskopplung mit einem deepen Sascha Funke remix ist grade draußen.
Ich denke, alle 2-3 Jahre sollte ein Solo-Album kommen und ich bin auf einem guten Weg dahin.

CM>>>Du kommst ursprünglich vom Bodensee, hast du noch einen Bezug zu dieser Gegend oder ist das schon lange Vergangenheit?
Haito>>>Ich komme vom Bodensee und würde niemals meine Heimat verleugnen! Dort bin ich daheim, zu Hause bin ich in Berlin, kann mir aber gut vorstellen, in ein paar Jahren wieder dorthin zu ziehen.
CM>>>Interessiert dich die Wahl am kommenden Sonntag oder siehst du das Ganze eher etwas skeptisch? Viele mit denen ich in letzter Zeit gesprochen habe sind total unschlüssig was Sie wählen sollen, geht es dir ähnlich oder hast du auch solche Aussagen in deinem Umfeld gehört?
Haito>>>Klar geh ich wählen, obwohl die Pappnasen, wenn sie denn die Macht haben, egal ob rot, schwarz oder welcher Partei sie nun angehören eh das machen was sie wollen und wie weit es unsere Scheiß Bürokratie zulässt, endlich sinnvoll etwas zu verändern.
Leider ist es immer einfacher von Veränderungen zu sprechen, als gegebene Versprechungen dann einzuhalten. Das macht die ganze Politikchause auch so unglaubwürdig, schade...
CM>>>Was brauchst du für einen perfekten Tag in deinem Leben?
Haito>>>Meine Freundin und Urlaub!
www.myspace.com/djhaito
www.boxer-recordings.com
Photos by permisson of Haito Göpfrich
Interview Michael Mück
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